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Das geheminis der Allwissenheit

Das Geheimnis der Allwissenheit

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Als Kind fragte ich mich oft, ob es wohl möglich ist, alles zu wissen. Aus meinem Umfeld bekam ich eine klare Antwort:

Nein! Niemand kann alles wissen. Da waren sich alle einig. Damit war das Thema für mich erledigt.

Bis ich Jahre später damit begann, mich für Spiritualität zu interessieren. Ich kam nicht umhin festzustellen, dass – entgegen meiner tiefen Überzeugung – manche Menschen über übermenschliches Wissen zu verfügen schienen.

Bald schon stieß ich sogar auf eine Art Anleitung oder zumindest einen Wegweiser, wie Allwissenheit erreichbar wäre.

Das höchste Bewusstsein, also reines Bewusstsein selbst, sei allwissend, und man selber könne völlig mit jenem kosmischen Wesen verschmelzen und dadurch selbst Allwissenheit erlangen. Für mich ein verlockender Gedanke.

Nun folge ich also seit fast zehn Jahren dem spirituellen Pfad. Regelmäßige Meditation, mehrmals täglich, ist dabei ein grundlegender Bestandteil meiner spirituellen Praxis, deren Ziel zwar nicht Allwissenheit ist – das höchste Bewusstsein zu realisieren würde ich jedoch schon gerne –, und dabei sollte Allwissenheit sozusagen als Bonus am Ende ja dann gratis mitgeliefert werden.

Leider kann ich bisher nicht vom ganz großen Erfolg berichten. Ob ich das jemals nachholen können werde, hängt wohl leider auch von Faktoren ab, die ich gar nicht selbst beeinflussen kann. Leider ist man hier auf göttliche Gnade angewiesen, was mich schon etwas nervt, aber nun gut – hilft ja nichts.

Was ich jedoch berichten kann, ist eine Einsicht, wie das mit Allwissenheit funktionieren könnte, und eigentlich ist das auch gar nichts wirklich Neues.

Platon hat schon vor etwa 2500 Jahren erkannt, dass unsere Welt eigentlich hauptsächlich in uns stattfindet. Ja, da draußen gibt es eine Welt der Dinge an sich. Wir Menschen jedoch haben nur fünf Sinne, und je nachdem, was wir fühlen, hören, schmecken, riechen und sehen, konstruieren wir ein Abbild der Realität in uns selbst. Dieses Abbild ist für uns von der eigentlichen Außenwelt nicht erfahrbar zu unterscheiden. Die eigentliche Realität bleibt ein Phantom für uns.

Nun ist die Situation jedoch nicht ganz so ausweglos. Immerhin wird die Welt – oder besser gesagt: „unsere Welt“ – ja in uns geschaffen, und in uns selbst können wir mehr beeinflussen als irgendwo sonst.

Zum Beispiel können wir lernen, uns vorzustellen, dass wir diejenigen sind, die die Welt um uns herum erschaffen. Wenn wir das oft genug machen, fängt die Welt mehr und mehr an, sich wie eine Simulation anzufühlen. Ein Schauspiel, das zwar echt ist und bedeutsam, aber grundsätzlich ein Teil von uns ist und nicht wir ein Teil von ihm.

Eigentlich führt diese Reise zu unserem wahren Selbst. Wir distanzieren uns immer weiter von den verschiedenen Erscheinungen der Außenwelt, zu denen auch unser biologischer Körper zählt, und während wir uns weiter und weiter distanzieren, wird unser Überblick über unsere Welt immer größer. Wenn Astronauten in ihrer Rakete die Erde verlassen, sehen sie am Anfang auch das, was wir alle immer sehen – einen kleinen Teil der Erde, der riesengroß wirkt. Weit oben im Weltall sehen sie dann die ganze Erde durch ein Fenster ihrer Rakete.

Sich auf den Weg nach innen zu begeben, hat einen ähnlichen Effekt. Wir wissen immer mehr, einfach weil wir einen besseren Überblick gewinnen.

Soweit, so gut. Allwissend wird man dadurch jedoch noch nicht.

Oder?

Wenn die Grenze zwischen echter Welt und innerer Projektion der echten Welt eigentlich nur in dem Wissen über diese Unterscheidung besteht, passiert etwas Fundamentales: Die Idee über die Trennung der Welt in für uns unzugängliche „Dinge an sich“ und unser inneres, aber dennoch real erfahrbares Abbild dieser Dinge erschafft eine neue Aufteilung der Welt.

Die Idee selbst teilt die Welt in einen unerfahrbaren Teil und einen erfahrbaren Teil, denn bevor wir von den unerfahrbaren Dingen an sich wissen, existiert für uns eigentlich nur die erfahrbare Wirklichkeit. Jedoch gibt es, nachdem wir einmal von der Existenz der ursächlichen Welt der Dinge an sich wissen, keinen Weg zurück, denn diese Idee ist aus logischer Sicht wahr und nicht von der Hand zu weisen.

Wenn nun aber eine einzige, kleine Erkenntnis von der Begrenztheit unserer Sinne die Macht hat, das Universum für immer zu teilen, kommen wir nicht umhin festzustellen: Ideen beherrschen offensichtlich die Realität, der Geist beherrscht die Materie.

Diese Erkenntnis führt uns jedoch noch tiefer in den Kaninchenbau, denn wenn der Geist die Materie beherrscht, dann kann unser eigener Geist letztlich nicht aus Materie stammen. Die Reise in unser Innerstes wird dadurch zur Reise an den eigentlichen Kern der Wirklichkeit selbst.

Da alles einen Ursprung hat und Materie dem Geist folgt, muss unser eigener Geist selbst einem größeren Geist entspringen. Hier finden wir das Beispiel von vorhin wieder: Wenn wir uns in unserer spirituellen Praxis von unserer Realität – oder besser: unserer inneren Projektion der Realität – distanzieren, dann wird diese Projektion kleiner, so wie die Erde für die Astronauten in ihrer Rakete kleiner wird.

Wenn etwas kleiner wird, dann wird zwangsläufig etwas anderes größer, da alle Größen relative Größen sind. Indem wir uns von unserer inneren Projektion distanzieren, erweitern oder vergrößern wir unseren eigenen Geist, der selbst wiederum Teil eines größeren Geistes sein muss, der die gesamte Welt formt.

Hier fällt die Vorstellung von einem kleinen, isolierten, persönlichen Geist und einem „kosmischen Geist“ in sich zusammen. Beides ist eins, und wer das versteht, weiß alles, was es zu wissen gibt.

Es reicht jedoch leider nicht, das intellektuell zu verstehen. Man muss es sehen und erleben, und das kann man nach meinem besten Wissen nur auf einem Weg systematisch schaffen: durch regelmäßige und ernsthafte spirituelle Praxis.

Ganz sicher bin ich zwar immer noch nicht, dass das mit der Allwissenheit wirklich stimmt. Anders als mein kindliches Selbst habe ich nun jedoch wenigstens einen Weg, um es herauszufinden – etwas kosmische Gnade vorausgesetzt.

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