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Das Streben nach unendlichem Bewusstsein als Ziel aller Bewegung

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Der folgende Text stammt aus einer spirituellen Rede, die Shrii Shrii Anandamurti 1959 in Indien hielt.

Darin beschreibt er ein Grundgesetz des menschlichen Strebens: den tiefen Drang nach Ausdehnung – nach einem Mehr an Sein, Sinn und innerem Wachstum.

Doch während das Streben nach materieller Erweiterung unweigerlich Konflikte erzeugt, eröffnet die Hinwendung zum Unendlichen einen Weg zu echter Erfüllung. Shrii Shrii Anandamurti zeigt, warum spirituelle Ausdehnung nicht Flucht ist, sondern der mutigste und konstruktivste Weg, das eigene Leben – und die Welt – zu verwandeln.

Ich habe den Text aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt:

Es ist der angeborene Wunsch des Menschen, nach Ausdehnung zu streben, sich nach dem Höchsten zu sehnen. Er möchte Ihn erlangen – für persönliches Glück, Selbsterhaltung und die Erfahrung von Glückseligkeit. Der Besitzer von hundert Morgen Land möchte hundertfünfzig besitzen; ein Millionär möchte Milliardär werden.

Wenn jedoch das Verlangen nach Selbstausdehnung oder Glück auf die weltliche Ebene begrenzt bleibt, werden Interessenkonflikte und verschiedene Hindernisse sicherlich bald entstehen. Es ist nicht möglich, sich dauerhaft auf Kosten anderer zu bereichern.

Aufgrund der fehlerhaften Geisteshaltung: „Mögen andere in Armut leben, aber ich will unermesslichen Reichtum; mögen andere landlos sein, aber ich will Land besitzen“, mussten viele Menschen in der Vergangenheit leiden, und viele leiden auch heute noch. Diese Mentalität beginnt mit Gewalt und Ausbeutung und endet mit Gewalt und Ausbeutung. Gewalt erzeugt Gewalt.

Wenn jemand heute durch Ausbeutung der Massen Milliardär wird, dann werden morgen dieselben Massen, durch Armut und Hunger zu unbezähmbarer Gewalt getrieben, den angehäuften Reichtum des Milliardärs an sich reißen und seine Ehre zu Boden werfen.

Das Streben nach Ausdehnung sollte sich nicht auf begrenzte Objekte der materiellen Welt richten. Ob es der Geist akzeptiert oder nicht – jede begrenzte Ressource der Welt sollte als Besitz der gesamten Menschheit betrachtet werden. Der gemeinsame Reichtum der Menschheit sollte nicht von einigen wenigen Individuen angehäuft werden.

Das menschliche Verlangen nach Ausdehnung ist ein angeborenes Verlangen. Es kann nicht unterdrückt werden, sondern muss vollen Ausdruck finden dürfen.

Da ein auf die materielle Ebene begrenztes Verlangen nach Ausdehnung der Gesellschaft schadet, sollte es auf unbegrenzte Objekte gelenkt werden. Ganz gleich, wie viel Menschen aus diesem unbegrenzten Vorrat erwerben – es wird keine Konflikte zwischen Individuen verursachen.

Während sie hinter der Aneignung endlicher Objekte herliefen, erkannten die unzufriedenen Menschen der Vergangenheit eines Tages, dass ihr Geist nach etwas suchte, das ihnen bisher entgangen war.
Psychische Objekte sind ihrer Natur nach begrenzt, doch das Wesen, das Subjekt des Geistes ist, ist unbegrenzt. Die endgültige Verankerung in diesem Wesen allein ist die wirkliche Ausdehnung, die höchste Erfüllung des Sádhaná (spirituelle Praxis). Eines glorreichen Tages, während sie auf dem Weg des Pratisaincara (Entwicklung vom Groben zum Feinen) zum Höchsten Subjekt voranschritten, erreichten die Menschen Ihn. Tatsächlich ist es nicht korrekt zu sagen, dass sie Ihn „erreichten“, denn man erreicht nur ein Objekt mit Hilfe des Geistes. Wenn man das Höchste Subjekt erlangt, löst sich das kleine „Ich“ völlig in Ihm auf. Weder der Geist noch Worte können Ihn erreichen – sie verschmelzen in Ihm. Man „erhält“ Ihn nicht; man wird eins mit Ihm.

Im Vorgang der Ausdehnung entstehen Zusammenstöße zwischen der Begrenzung eines Objekts und der eines anderen. Im Bereich weltlicher Objekte ist es unmöglich, sich auszudehnen, ohne in die Begrenzungen anderer Objekte einzudringen.

Dieser Konflikt um Begrenzungen bringt das Schlechteste im Menschen hervor – Engstirnigkeit, Gier, Kastendenken, Provinzialismus, Nationalismus usw. – während er versucht, sich im Reich des Universums zu behaupten.

Diejenigen, die von diesen Gefühlen gebunden sind, leugnen die Existenz des Absoluten Wesens. Selbst wenn sie mit einem Ziel voranschreiten, wird ihre Liebe zu groben Wünschen derart intensiv, dass ihr Ziel völlig verschleiert wird. Mit ihren eigenen Interessen beschäftigt, verlieren sie die Fähigkeit, ihr Ziel zu sehen. Solche Menschen nennt man mohándha – blind vor Verblendung.

Wer in Bewegung ist, muss ständig an sein Ziel denken, nicht an seine Bewegung und gewiss nicht an mögliche Hindernisse, die unterwegs auftauchen könnten. Wenn man an Hindernisse denkt, werden die Hindernisse selbst zum Ziel, und das eigentliche Ziel rückt in den Hintergrund.

Daher ist im Bereich des Brahma-Sádhaná allein Brahma (Unendliche Bewusstsein) das Ziel, allein auf Brahma ist zu meditieren. Spirituelle Aspiranten dürfen keine Gedanken an Hindernisse hegen, die während der Meditation entstehen könnten, sondern müssen ihren Geist auf den höchsten krönenden Punkt richten. Um in dieser weltlichen Welt ein himmlisches Königreich zu errichten, muss der Mensch unermüdlich gegen die inneren und äußeren Dämonen kämpfen. Doch das bedeutet nicht, dass diese Dämonen zum Objekt der geistigen Ausrichtung werden sollen.

Brahma-Sádhaná (spirituelle Praxis) unterscheidet sich völlig von Jada-Sádhaná (der Verfolgung materieller Ziele), denn sie richtet sich auf das Ziel und nicht auf den Konflikt. Spirituelle Aspiranten, die bemüht sind, das Selbst auszudehnen, dürfen sich niemals mit jenen Kräften einlassen, die versuchen, den Vorgang der höchsten Ausdehnung zu behindern. Der Weg der Selbstenfaltung (Dharma-Sádhaná) ist ein Weg des Mutes. Auf einem solchen Weg haben Trägheit und Feigheit keinen Platz.

 

 

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Ankündigungen

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7.-11.01. 2026
Ananda Ashram, Wolfegg 

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Mit der Neujahrskonferenz beginnen wir das neue Jahr in spiritueller Gemeinschaft unter der Inspiration des Göttlichen Bewusstseins.

In diesem Fluss meditieren, arbeiten, singen – ja, leben wir zusammen.

 

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