Neohumanismus
Der Weg zur wahren Gemeinschaft: das Gemeinwohl-Prinzip
„Wir sind alle Blätter an einem Baum, keins dem andern ähnlich,
das eine symmetrisch, das andere nicht, und doch alle gleich wichtig dem Ganzen.“
– Gotthold Ephraim Lessing
Der spirituelle und soziale Philosoph Shrii P. R. Sarkar lehrt, dass jede Bewegung drei Elemente braucht:
Erstens einen Antrieb, eine Inspiration zur Bewegung.
Zweitens die notwendige Kraft zur Bewegung.
Und drittens ein klares Ziel.
Was treibt den Menschen an?
Shrii Sarkar beschreibt zwei Hauptantriebe.
Zum einen der Beweggrund, etwas für seinen eigenen Vorteil zu machen.
Hierzu gehört zum Beispiel das Streben nach Macht, gesellschaftlicher Anerkennung, Profit oder sinnlichem Genuss.
Shrii Sarkar nennt diese Haltung Atma-Sukha-Tattva, das Prinzip des selbstsüchtigen Vergnügens.
Zum anderen beschreibt Sarkar den Beweggrund, etwas für die Gesellschaft zu tun.
Zum Wohl Aller beizutragen.
Menschen, die von diesem Beweggrund geleitet sind, setzen sich dafür ein, soziale Ungleichheit zu beseitigen, die Würde Aller anzuerkennen und als eine Menschheit voranzuschreiten.
Diese Haltung nennt er das Prinzip der sozialen Gleichheit, des Gemeinwohls, oder auch Sama-Samaja-Tattva.
Eigennutz und Fehlglauben
Doch warum fällt es uns so schwer, den Weg des Gemeinwohls einzuschlagen?
Shrii Sarkar erklärt, dass die Handlungen, die aus Eigennutz und nicht für das Wohl Aller ausgeführt werden, auf Fehlglauben beruhen.
Tatsächlich sind die meisten Handlungen in den meisten gesellschaftlichen Bereichen auf den persönlichen Vorteil bestimmter Personen und Gruppen ausgerichtet und nicht auf das Gemeinwohl:
„Dieses Prinzip des egoistischen Vergnügens beruht auf einem Fehlglauben.
Alle gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und geographischen Kräfte, die den Menschen normalerweise antreiben, werden von einem Fehlglauben geleitet; und dieser Fehlglauben wiederum basiert vollständig auf átma-sukha tattva [dem Prinzip des selbstsüchtigen Vergnügens].
Die Menschen beugen sich diesem Fehlglauben mit der alleinigen Absicht, selbstsüchtige Vergnügungen zu erlangen; selbst gebildete Menschen unterwerfen sich wissentlich diesem Fehlglauben.“
Sarkar nutzt im Englischen auch das Wort „dogma“.
Damit meint er Ideen und Vorstellungen, die zwar unvernünftig sind, aber nicht hinterfragt werden dürfen.
Und so folgen selbst gebildete Menschen diesen unvernünftigen Vorstellungen aus Eigennutz.
Sie wissen zwar, dass sie nicht vernünftig handeln, aber rechtfertigen das mit dem Gedanken: „Immerhin habe ich persönlich etwas davon!“
Ein Beispiel für solche unvernünftigen Vorstellungen ist etwa die Idee, dass bestimmte Länder das Recht haben, andere Länder zu beherrschen und auszubeuten.
Der Weg aus der Krise.
Für Shrii Sarkar braucht der Weg aus dieser Krise ein gemeinsames Ziel, zu dem die Menschen hinstreben.
Dieses Ziel sollte die letztendliche Wirklichkeit und höchste Wahrheit sein: das unendliche Bewusstsein.
Auf der gesellschaftlichen Ebene sollten die Grundbedürfnisse Aller erfüllt werden.
Alle sollten Nahrung, Kleidung, eine Wohnung, Bildung und medizinische Versorgung haben.
Gleichzeitig sollten die Menschen auf den geistigen und spirituellen Ebenen dazu angeregt werden, die höchste Erfüllung zu suchen:
„Der Fortschritt aller würde sich beschleunigen, wenn die Ungleichheiten beseitigt würden, wenn dies die treibende Kraft hinter unserer Bewegung in Richtung des Höchsten wäre.
Wir werden vielleicht kein selbstsüchtiges Vergnügen erlangen, aber wir werden spirituellen Frieden und reine spirituelle Seligkeit in der Verwirklichung der kosmischen Gnade genießen.
[…]
Dies sollte die Aufgabe der Menschen von heute sein; alle Menschen sollten ihre Anstrengungen bündeln und gemeinsam danach streben, dieses Ziel zu erreichen.“
– Shrii P. R. Sarkar
Quelle:
Shrii P. R. Sarkar: Sama-Samaja Tattva in: The Liberation of Intellect: Neohumanism, AMP, Kolkata 2020 (1981). (Übersetzung der Zitate von der Redaktion)
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