Die Ehrfurcht vor dem Leben – Neohumanistische Ethik in den Worten Albert Schweitzers und Shrii P. R. Sarkars
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Ethik bedeutet grundlegend, niemandem zu schaden und anderen nach dem Besten unserer Fähigkeiten Gutes zu tun. Doch beschränkt sich diese Ethik nur auf andere Menschen?
Im Neohumanismus wird diese Haltung auf alle Geschöpfe der Welt ausgedehnt – alle Wesen wollen leben und sich entwickeln. Ethisch zu handeln heißt, das anzuerkennen und sich dementsprechend zu verhalten.
Der deutsche Philosoph und Humanist Albert Schweitzer hat es so ausgedrückt:
Die fundamentale Tatsache des Bewusstseins des Menschen lautet: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“
Der denkend gewordene Mensch erlebt die Nötigung, allem Willen zum Leben die gleiche Ehrfurcht vor dem Leben entgegenzubringen, wie dem eigenen. Er erlebt das andere Leben in dem eigenen.
Als gut gilt ihm, Leben erhalten, Leben fördern, entwickelbares Leben auf seinen höchsten Wert bringen. Als böse: Leben vernichten, Leben schädigen, entwickelbares Leben niederhalten. Dies ist das denknotwendige, universelle, absolute Grundprinzip des Ethischen.
Die bisherige Ethik ist unvollkommen, weil sie es nur mit dem Verhalten der Menschen zum Menschen zu tun zu haben glaubte. In Wirklichkeit aber handelt es sich darum, wie der Mensch sich zu allem Leben, in seinem Bereich befindlichen Leben, verhält. Ethisch ist er nur, wenn ihm das Leben als solches heilig ist, das der Menschen und das aller Kreatur.
– Albert Schweitzer, Kultur und Ethik (1923)
Diese Haltung entspricht der neohumanistischen Philosophie, wie sie der indische Philosoph Shrii P. R. Sarkar formuliert hat.
Shrii Sarkar schreibt zum Beispiel:
Die Sorge um den Lebensstrom, der in anderen menschlichen Geschöpfen fließt, hat die Menschen in den Schoß des Humanismus getrieben, hat sie zu Humanisten gemacht. Wenn nun dasselbe menschliche Gefühl auf alle Geschöpfe dieses Universums ausgedehnt wird, dann und nur dann kann man sagen, dass die menschliche Existenz ihre letzte Vollendung erreicht hat.
Und in dem Prozess der Ausdehnung der eigenen inneren Liebe auf andere Geschöpfe sollte ein anderes Gefühl hinter dem menschlichen Gefühl stehen, das das menschliche Gefühl in alle Richtungen schwingen lässt, das die innersten Tiefen der Herzen aller Geschöpfe berührt und einen und alle zur letzten Stufe der höchsten Glückseligkeit führt.
– Shrii P. R. Sarkar, The Liberation of Intellect (1981)
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