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Eine einfache Methode, um unser Lernvermögen wirksam zu verbessern

Unser Leben ist ein tägliches Lernen. In der Schule und im Studium sind wir vor die Aufgabe gestellt, uns Wissen und Fähigkeiten anzueignen und uns so intellektuell zu entwickeln. Aber auch im alltäglichen Leben – unabhängig von der Lebenssituation – ist jeder Tag eine Chance zu lernen: jede Begegnung mit anderen, jedes tiefe Nachdenken, jede Meditation, jede Lektüre kann neue Perspektiven für uns eröffnen.

Wie können wir uns also dieser Möglichkeit öffnen und Gelerntes nicht nur vollständiger aufnehmen, sondern besser behalten?

Eine simple Antwort lautet: durch ungeteilte Aufmerksamkeit. Indem ich mich voll auf meine momentane Beschäftigung einlasse. Intuitiv leuchtet das sofort ein. Doch was bedeutet das wirklich, sich voll auf etwas einzulassen, und warum ist es so wichtig?

Der indische Philosoph P.R. Sarkar schreibt dazu:

Ein Junge lernt. Dabei mag ihm der Gedanke durch den Kopf gehen, dass er, wenn er die Prüfung nicht besteht, viel Kritik einstecken muss, und dass er dieselbe Klasse wiederholen muss, zusammen mit jüngeren Jungen, die ihn dann vielleicht nicht mehr so respektieren, wie sie es in der Vergangenheit getan haben.

Diese Gedanken mögen ihm helfen, sich zu konzentrieren; das heißt, solche Gedanken halten zweifellos den objektiven und den subjektiven Verstand beschäftigt, aber sie schaffen eine Zweiteilung im Verstand. Ein Gedankenstrom ist mit dem Auswendiglernen der Studienfächer beschäftigt, während ein anderer Gedankenstrom verschiedene andere Gedanken hegt, wie zum Beispiel: “Was werden meine Eltern und Vorgesetzten sagen, wenn ich in der Prüfung versage? Die jungen Leute in meinem Ort werden mich nicht mehr respektieren, sie werden alle möglichen unangenehmen Dinge sagen…” und so weiter.

Offensichtlich hat sich die geistige Kraft des Jungen gespalten. Was sollte ein weiser Mensch unter solchen Umständen tun? Er sollte an nichts anderes denken als: „Ich werde das, was ich jetzt lese, auswendig lernen, ohne mich um meinen Gewinn zu kümmern, wenn ich Erfolg habe, oder um meine Verluste, wenn ich bei dieser Aufgabe versage. Ich werde nicht zulassen, dass irgendein Teil meines Geistes in eine unerwünschte Richtung fließt, und so werde ich meinen Geist ausschließlich mit der Aufgabe des Lernens beschäftigen.”i

Sarkar warnt hier vor der Spaltung der Aufmerksamkeit. Sind wir nicht vollständig bei der Sache, sondern mit den Gedanken bei anderen Dingen, so wird unsere geistige Kapazität geschwächt und wir nutzen nicht unser ganzes geistiges Potenzial.

Sarkar schreibt daher weiter:

Wenn du also etwas lernst, solltest du deinen Geist von allen anderen Gedanken leeren und dem Gelernten volle Bedeutung beimessen. Wenn du dann in der Zukunft versuchst, deinen subjektiven Geist in einen objektiven Geist umzuwandeln, wirst du es gut machen, denn als du die Objektivitäten der äußeren Welt empfangen hast, warst du voll konzentriert. Infolgedessen wirst du dein Denkvermögen entwickeln.“ii

Hier wird deutlich, dass durch die ungeteilte Aufmerksamkeit Gelerntes besser aufgenommen wird. Infolgedessen verbessert sich zugleich das Erinnerungsvermögen, weil die ursprünglich aufgenommen Inhalte auch vollständiger wieder abgerufen werden können.

 

Auch die Pädagogin Maria Montessori hat ein ähnliches Phänomen beschrieben, was sie Polarisation der Aufmerksamkeit nannte. Sie beobachtete, dass junge Kinder, wenn ihnen eine bestimmte Tätigkeit erklärt und vorgemacht wird und sie dann in Ruhe gelassen werde, nach einiger Zeit voll von dieser Tätigkeit eingenommen scheinen. Als Bedingungen hierfür nannte sie, dass das Kind eine Übung sooft wiederholen kann, wie es seinem inneren Bedürfnis entspricht, ohne das Gefühl zu haben, beobachtet zu werden.

Dann aber waren vielfach sogar heilende Vorgänge zu beobachten: Kinder mit Konzentrationsschwierigkeiten und Ängsten konnten durch die Versenkung in eine Beschäftigung eine Begradigung ihrer Persönlichkeit psychische Gesundung erfahren.iii

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Anstrengung zur ungeteilten Aufmerksamkeit lohnt sich. Sie hat einen Effekt auf:

  • Unser Erinnerungsvermögen

  • Unsere Konzentrationsfähigkeit

  • Und schließlich die Befriedigung, die wir aus unseren Tätigkeiten ziehen.

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i Sarkar, P.R.: Die Fakultät des Wissens – 5 in: Die Fakultät des Wissens, veröffentlicht in der Elektronischen Ausgabe Version 9.0.14

ii Ebd.

iii Vgl. etwa Maria Montessori: Erziehung für eine neue Welt, hrsg. von Harald Ludwig, Herder Verlag, Freiburg 1998; Kinder sind anders (S.167f.), Klett-Cotta-Verlag, Stuttgart 2009; oder Meine Pädagogik (S.30f.) Herder Verlag, Freiburg 2021.

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