Liegt Lügen in unserer Natur?
Von Natur aus lügt ein Mensch nicht, genau wie Tiere und Pflanzen nicht lügen.
Er muss es erst erlernen
Allgemein lügt ein Mensch aus zwei Gründen:
- Aus persönlichem Interesse (z.B. aus Selbsucht oder Angst)
- Aus tief verwurzelter Gewohnheit
Der spirituelle Meister Shrii Shrii Anandamurti schreibt hierzu folgendes:
Dieses Universum ist in Satya [wohlwollende Wahrhaftigkeit] eingebettet. Tiere lügen nicht und hegen keine Unwahrheit in ihrem Geist, auch Pflanzen hegen keine Unwahrheit in ihrem Geist.
Menschliche Kinder erzählen keine Lügen und hegen keine Unwahrheiten, es sei denn, sie werden eines Anderen belehrt.
Selbst diejenigen, die wir als unentwickelte Menschen bezeichnen, sprechen oder denken keine Unwahrheiten.
Nur so genannte fortgeschrittene Menschen lügen, aus persönlichem Interesse oder aus Gewohnheit.
Pflanzen haben einen Geist?
Das klingt vielleicht schwer zu glauben.
In der Tat können sich Pflanzen über feine Klänge und Gase verständigen und auf Umweltreize durch Veränderung ihres Wachstums oder elektrischen Leitfähigkeit messbar reagieren. [1]
Sie haben zwar kein Nervensystem, aber sie haben Hormone. [2]
Wahrhaftigkeit liegt also in der Natur des Universums.
Aber bedeutet Wahrhaftigkeit einfach nur, die Tatsachen zu sagen? Hierzu Shrii Shrii Anandamurti:
Das, was eine Tatsache ist, was wirklich stattgefunden hat, nennen wir Rta.
Der Geist von Rta kann in der Pflanzenwelt gefunden werden.
Selbst bei einfachen, unentwickelten Menschen kann man die Idee von Rta als treibende Kraft der Gesellschaft leicht finden.
Aber die Anhänger des Dharma [Spiritualität] verbessern Rta und nutzen es auf eine weiterentwickelte Weise zum Wohle der Welt.
Rta bedeutet also so viel „das, was eine Tatsache ist“.
Pflanzen befolgen Rta.
Wenn man z.B. einen Baum absägt, wird sein Alter anhand der Ringe ablesbar sein.
Ein Baum schummelt sich nicht älter oder jünger, um irgendwelche Vorteile für sich zu bekommen.
Rta ist eine Form von geradliniger Wahrhaftigkeit.
Im menschlichen Leben bedarf es allerdings zusätzlich der Ebene des Wohlwollens.
Wenn der Ausdruck einer einfachen Wahrheit nicht zum Wohl führt, überwiegt in diesem Fall das Wohlwollen.
Anandamurti bringt es hier auf den Punkt:
Wenn Rta zu Schaden führt oder wenn es die Möglichkeit der Falschheit in sich birgt, dann verbessern die Menschen Rta und machen es zu einem geeigneten Instrument zur Förderung des Wohlergehens.
Rta, wenn es zum Wohlergehen führt, wird Satya genannt.
Ein typisches Beispiel ist etwa das Verstecken einer unschuldig verfolgten Person vor ihren Verfolgern.
Schon der große Yogi Shiva hat diese wohlwollende Wahrhaftigkeit (Satya) als Grundlage echter Spiritualität festgestellt, so Anandamurti:
Auf der starken Grundlage von Satya steht der vielseitige Wachstum und der Ausdruck von Dharma.
Dharma kann nicht bei denen bleiben, die Satya nicht folgen, die Rta nicht folgen oder die aus persönlichem Interesse oder tief verwurzelter Gewohnheit der Falschheit nachgeben.
[…]
Wenn man nicht ausreichend mit Satya verbunden ist, wird Dharma niemals bei dieser Person verbleiben; daher lautet Shivas klare Feststellung:
Dharmah sah na yatra na satyamasti – „Wo es kein Satya gibt, gibt es kein Dharma“ .
Quellen:
Zitate: Shrii Shrii Anandamurti: Shivas Teachings – 1 (continued) (Discourse 10) in: Namah Shiváya Shántáya. AMP, Kolkata 2020.
[1] https://www.nationalgeographic.com/science/article/plants-can-talk-yes-really-heres-how
[2] https://bio.libretexts.org/Bookshelves/Introductory_and_General_Biology/Introductory_Biology_(CK-12)/09%3A_Plants/9.24%3A_Plant_Responses
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