Neohumanismus: Wenn Liebe nicht beim Menschen haltmacht
Denen, die für alle denken . . .
die anderen Ehrenplätze und Achtung überlassen . . .
die andere ehren, statt darauf zu warten, geehrt zu werden:
ihnen widme ich dieses Buch in demütiger Hochachtung und mit tiefster Verneigung.Prabhat Ranjan Sarkar
Diese Zeilen schrieb Shrii P. R. Sarkar als Widmung für sein Buch Liberation of Intellect: Neohumanism.
In diesem Buch begründet er seine spirituelle und soziale Philosophie des Neohumanismus, eine Philosophie der allumfassenden Liebe.
Wenn der innere Takt und der Alltag auseinanderlaufen
Jeder kennt den Rhythmus im eigenen Leib und Geist: Atem, Hunger, Schlaf, unsere Gewohnheiten und Wünsche.
Stimmen Lebensführung und dieser Gang überein, fühlen wir uns wohl.
Fallen sie auseinander, kommt Unruhe, oder wir werden sogar krank.
Wir können wir beide in Einklang bringen? Durch Hingabe.
Sarkar meint mit Hingabe keinen Rückzug von der Welt, sondern die Bemühung, alles als ein Ausdruck des Göttlichen zu lieben.
Hingabe ist der zarteste innere Schatz und braucht Schutz.
Das Hingabegefühl ist der höchste und wertvollste Schatz der Menschheit. […]
Weil es ein so zartes inneres Gut ist, muss man, um es vor den Angriffen des Stoffdenkens zu bewahren, einen Schutzzaun darum errichten, so wie man um eine kleine zarte Pflanze ein Geländer stellt.
Nun die Frage: Was ist dieser Schutzzaun?
Es ist eine angemessene Philosophie, die den rechten Einklang zwischen der geistigen und der stofflichen Welt herstellt und der voranschreitenden Bewegung der Gesellschaft eine immerwährende Quelle der Anregung bleibt.
Eine solche Philosophie ist nicht nur eine Sammlung von hochtrabenden Ideen.
Sondern eine praktische Anleitung für unseren Alltag, die uns hilft, den innere Schatz und die äußere Arbeit miteinander zu vereinen.
Wenn Hingabe zum Auftrag wird
Auch das Kleinste der stofflichen Welt ist Ausdruck desselben höchsten Bewusstseins. Wer das im Herzen wachhält, gilt Sarkar als wahrer Hingegebener.
Die Übung allein genügt nicht, sie soll uns zum Auftrag werden.
Wenn dieser Weg der Hingabe nicht bei einer bloßen Übung bleibt, sondern zum Hingabegefühl, zum Hingabeauftrag, in den Bereich der hingebungsvollen Vergegenwärtigung erhoben wird, wenn der zugrundeliegende Geist des Humanismus auf alles Belebte und Unbelebte in diesem Weltall ausgeweitet wird, habe ich dies als „Neohumanismus“ bezeichnet.
Dieser Neohumanismus wird den Humanismus zur Allverbundenheit erheben, zum Weg der Liebe zu allen geschaffenen Wesen dieses Weltalls.
Innen ausrichten und zugleich die humanistischen Grundsätze weiten: so entsteht ein Gefüge der Allverbundenheit.
Es geht darum, unsere Liebe zu weiten, bis niemand und kein Wesen draußen bleibt.
Die Sorge für das ganze Weltall
Im letzten Kapitel des Buches wird aus der Philosophie eine Verantwortung.
Was ist Neohumanismus?
Neohumanismus ist Humanismus der Vergangenheit, Humanismus der Gegenwart und Humanismus, neu erklärt, der Zukunft. […]
Er wird den Menschen helfen zu verstehen, dass sie als die nachdenklichsten und einsichtsvollsten Wesen in diesem geschaffenen Weltall die große Verantwortung annehmen müssen, für das ganze Weltall Sorge zu tragen, annehmen müssen, dass die Verantwortung für das ganze Weltall bei ihnen liegt.
Nicht Herrschaft ist gemeint, sondern die Pflicht dessen, der am klarsten denken kann.
Sarkar erzählt von einem Dorfbewohner in Purulia, der auf die Frage nach schwerem Gepäck antwortete: „Warum nicht, gewiss kann ich das!“
Eines Tages, so die Zuversicht, werde die Welt denselben Satz sprechen. Dann errichten begrenzte Gefühle der Zugehörigkeit keine Mauern mehr.
Wir sind in die Welt gekommen, um große Taten zu vollbringen, für das leibliche Wohl aller, für das geistige Glück aller und für die seelische Erhebung aller, um alle aus der Dunkelheit ins Licht zu führen.
Sagt jemand, Dunkelheit sei ihm lieber, lautet die Antwort nicht als Zwang, sondern als Einladung: komm einmal und sieh das Licht, es ist noch besser.
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