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TAGESLICHT Beitragsbilder 152

Tag der deutschen Einheit: Frieden durch Annäherung

Heute, am 3. Oktober, ist der Tag der Deutschen Einheit.

In der Nacht zum 3. Oktober 1990 trat der Einigungsvertrag in Kraft: Die DDR trat der Bundesrepublik bei, das Grundgesetz galt auch im Osten, Berlin wurde Hauptstadt des ganzen Landes.

Dieser Erfolg war das Ergebnis einer jahrelangen Friedensbemühung.

Die Formel von Tutzing

1963 sprach Egon Bahr in der Evangelischen Akademie Tutzing.

Er war damals Sprecher des Berliner Senats unter dem Regierenden Bürgermeister Willy Brandt.

In seiner Rede prägte er die Formel Wandel durch Annäherung. Es ging ihm dabei um die Menschen und darum, ihre Lage zu erleichtern.

Im Oktober 1969 wurde Brandt Bundeskanzler. Außenminister wurde Walter Scheel.

Die Neue Ostpolitik dieser Regierung suchte Gespräche und Annäherung, auch um Deutschland in Richtung einer friedlichen Vereinigung zu führen.

Egon Bahr spielte bei den Verhandlungen mit Moskau, Polen und der DDR in den folgenden Jahren eine entscheidende Rolle.

Verträge, Kniefall, Nobelpreis

Am 12. August 1970 unterzeichneten die Bundesrepublik und die Sowjetunion den Moskauer Vertrag. Beide Seiten verzichteten auf Gewalt und erklärten die bestehenden Grenzen in Europa für unverletzlich, auch die innerdeutsche Grenze und die Oder-Neiße-Linie.

Die bundesdeutsche Delegation übergab einen Brief zur deutschen Einheit. Darin blieb das Ziel einer friedlichen Vereinigung in freier Selbstbestimmung festgehalten.

Am 7. Dezember 1970 folgte der Warschauer Vertrag mit Polen, mit demselben Kern aus Gewaltverzicht und Grenzachtung.

Am selben Tag legte Brandt am Mahnmal für den Aufstand im Warschauer Ghetto einen Kranz nieder und kniete. Das Bild ging um die Welt und wurde zum Zeichen der Aussöhnung nach den deutschen Verbrechen.

Am 21. Dezember 1972 unterzeichneten Bundesrepublik und DDR den Grundlagenvertrag. Bahr hatte ihn mit Michael Kohl auf der Seite der DDR ausgehandelt. Die beiden Staaten nahmen offizielle Beziehungen auf.

1971 sprach das Nobelkomitee in Oslo Brandt den Friedensnobelpreis zu. Es würdigte eine Versöhnungspolitik zwischen alten Feindländern und seinen Einsatz, Voraussetzungen für den Frieden in Europa zu schaffen.

Fortsetzung der Friedensbemühungen

Diese Politik lief weiter, als Brandt nicht mehr Kanzler war. Am 1. August 1975 unterzeichneten 35 Staaten die Schlussakte von Helsinki, eine Selbstverpflichtung ohne Vertragscharakter: Gewaltverzicht, unversehrte Grenzen, Achtung der Menschenrechte.

Bürgerrechtsgruppen im Osten beriefen sich später darauf. Helmut Schmidt und Helmut Kohl führten wichtige Züge der Ostpolitik fort.

1989 gingen die Menschen in der DDR im Zuge der Friedlichen Revolution bei regelmäßigen Montagsdemonstrationen auf die Straße.

In der Nacht des 9. November wurden die Berliner Grenzübergänge geöffnet.

Anfang 1990 dann gab Michail Gorbatschow in Moskau seine grundsätzliche Zustimmung, dass die Deutschen selbst über ihr Zusammenleben entscheiden.

Mit dem Einigungsvertrag am 3. Oktober und dem Zwei-plus-Vier-Vertrag am 12. September 1990 wurde schließlich die deutsche Einheit vertraglich beschlossen.

Die Friedensbemühungen von Brandt und Bahr haben den Boden dafür bereitet.

Ebenso haben die Bürgerbewegungen in der DDR, die Regierung Gorbatschow und die Verträge von 1990 dann die Wende verwirklicht.

Frieden oder Kriegsvorbereitung

Die Wiedervereinigung war das Ergebnis jahrelanger Friedensbemühungen. Sie kam verbunden mit einem Vorgang der Annäherung und Aussöhnung.

Deutschland kann in der Linie von Brandt und Bahr wieder vorangehen: verhandeln, Gespräche und Zusammenarbeit suchen, gegenseitige Zusicherungen vereinbaren.

Statt sich für einen kommenden Krieg zu ertüchtigen, kann Deutschland so die Wege für einen neuen Frieden ebnen.



Bild: Lear 21 at English Wikipedia, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons


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