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Was ich durch den Iran-Krieg gelernt habe

Wenn es darum ging, abends ins Bett zu gehen, hatte meine Mutter es nicht leicht mit mir. Um jeden Preis wollte ich wach bleiben, einfach um zu sehen, was passiert. „Du könntest ja etwas verpassen“, sagte sie oft, wenn ich mich mal wieder weigerte, ins Bett zu gehen.

Am Ende setzte sie sich jedoch meist durch, und dank ihr habe ich den für die Entwicklung von Kindern so wichtigen Schlaf bekommen.

Heute als Erwachsener werde ich viel weniger durch meine Mitmenschen gezügelt. Ereignisse wie der Angriff gegen Iran und seine Bevölkerung ziehen mich daher leicht in ihren Bann – besonders wenn sie sich schnell entwickeln und von großer Tragweite sind.

So stürze ich mich also in den nie versiegenden Nachrichtenstrom und versuche, ein wahres Bild von der Situation zu gewinnen. Ein Unterfangen, das jeder Spiritualist, so wie ich, schnell als Torheit ausmacht, da – abgesehen vom reinen Bewusstsein – jede Wahrheit relativ ist.

Zwar weiß ich das, aber zumindest Teile von mir sind doch nicht so richtig davon überzeugt.

Also lese ich und schaue und höre mir alles an, was ich zu diesem Krieg finden kann.

Da lese ich also, wie der Präsident der Vereinigten Staaten, der einstige sogenannte Führer der freien Welt, ganz offen auf Twitter (nun X) schreibt: „Passt auf, was diesen geistesgestörten Drecksäcken (den Iranern) heute passiert. […] Ich, als der Präsident der Vereinigten Staaten, töte sie – und was das für eine große Ehre für mich ist!“ Und während ich das lese, frage ich mich: Wie wird wohl die Öffentlichkeit darauf reagieren?

Journalisten und Politiker mit Fehlern, aber dennoch mit Anstand: Die Liste an Aussagen wie diesen von Donald Trump ist lang. Wo bleibt die Kritik? Die Distanzierung? Der Hinweis auf Würde, Menschenrechte, Menschlichkeit?

Und in den Massenmedien sehe ich nichts, höre ich nichts und lese ich nichts. Schweigen.

Nun gut, vielleicht ist Donald Trump problematisch, aber nur eine groteske Figur, die von Kräften der Vernunft im Hintergrund eingedämmt wird. Der Kaiser mag verrückt sein, aber wenn keiner auf ihn hört, ist das ja gar nicht so schlimm.

Doch dann lese ich, was der Kriegsminister des Kaisers von sich gibt: „Irans Führung – verzweifelt verstecken sie sich im Untergrund. Sie verkauern sich. Das ist, was Ratten tun.“ Noch mehr offene Entmenschlichungen also von höchster Ebene. Unwidersprochen.

Aber vielleicht haben die beiden ja einen Punkt. Grobschlächtig und abstoßend ausgedrückt, aber womöglich ist die iranische Führung ja wirklich ein bösartiger und feiger Haufen.

Also schaue ich weiter auf meinem Newsfeed und sehe Bilder des iranischen Präsidenten Massud Peseschkian, des Parlamentspräsidenten Ali Laridschani und auch des Außenministers Abbas Araghchi auf einem Demonstrationszug zum Quds-Tag am 13. März – also vorgestern. Dort stehen sie, umringt von Menschen, auf offener Straße mitten in Teheran, wo die USA dieser Tage immer wieder verbrecherische Flächenbombardements begehen.

Sicherlich ist das auch Propaganda der iranischen Führung. Doch es drängt sich schon die Frage auf, warum solche Propaganda hier im Westen nicht möglich ist. Die höchsten Politiker wie Donald Trump oder Friedrich Merz einfach auf offener Straße, umringt von Tausenden ihrer Bürger? Ohne Zäune, ohne ein riesiges Aufgebot von Sicherheitspersonal?

Folgt daraus nicht, dass – sollten die Iraner ihre Regierung hassen – sie diese dann aber sicherlich weniger hassen als die westlichen Bevölkerungen die ihren? Und von feigem Verstecken der iranischen Führung kann schon gar keine Rede sein.

Wir sehen also offensichtliche, fast verzweifelt anmutende Lügen der Führung aus Washington, die noch dazu alle Standards des zivilisierten Umgangs und der Diplomatie – bis hin zur Entmenschlichung – ignorieren. Und unsere Massenmedien? Sie schweigen.

Seltsam. Wie kann das nur sein?

So schaue ich also weiter, was Twitter mir so präsentiert, und werde hellhörig, als ich sehe, dass der Axel-Springer-Medienkonzern, zu dem auch die Bild-Zeitung und Die Welt gehören, rechtlich bindend und durch besondere Hürden das Existenzrecht des Staates Israel in seiner Unternehmenssatzung festgeschrieben hat.

Für alle Mitarbeiter des Axel-Springer-Konzerns ist die Unterstützung der Existenz Israels rechtlich bindend festgeschrieben.

Wie verhält sich das aber nun, wenn Israel einen anderen Staat angreift, der in der Lage ist, die Existenz Israels tatsächlich zu gefährden?

Das ist alles sehr seltsam.

Also schaue ich weiter durch Twitter, und mir begegnen Bilder von Friedrich Merz, wie er mit einer Kippa – also dem traditionellen Hut, der die Zugehörigkeit zum Judentum signalisiert – mit gequälten Tränen eine Rede in einer Synagoge hält.

Da stellt sich mir die Frage: Ist Friedrich Merz jüdisch? Laut Wikipedia engagierte er sich in seiner Jugend in einer katholischen Jugendgemeinde und war in seiner Studienzeit Mitglied in einer katholischen Studentenverbindung.

Also sieht es nicht danach aus, als würde er der jüdischen Glaubensgemeinschaft angehören.

Wieso signalisiert er dann dennoch seine Zugehörigkeit? Hat das etwas mit der deutschen Staatsräson zu tun, die – ähnlich wie der Medienkonzern Axel Springer – die Existenz Israels zur obersten Verpflichtung erklärt?

Während ich also diese Dinge sehe und mein Kopf rattert, bekomme ich plötzlich ein mulmiges Gefühl im Magen, und mein Herz schlägt schneller und schneller.

Will ich hier wirklich mehr wissen? Irgendwie scheint das Ganze stark mit Israel und vielleicht sogar mit dem Judentum an sich verbunden zu sein. In der Schule habe ich wieder und wieder gelernt, wie grausam die Nazis die Juden vernichtet haben. Werde ich gerade zum Antisemiten? Und wie wird mein soziales Umfeld reagieren?

Was schon meiner Mutter kaum gelang, als sie versuchte, mich ins Bett zu bringen, gelingt mir selbst heute auch oft nur schwerlich. So gewinnt meine Neugier auch hier, und ich mache mich weiter auf die Suche nach Antworten.

Da erscheinen weitere merkwürdige, neue Begriffe auf meinem Twitter-Feed: Zionismus. Chabad-Lubawitsch. Eine laut Wikipedia „innerhalb des Judentums umstrittene jüdische Gruppierung“, deren ehemaliger Anführer Rabbi Yosef Yitzchak Schneersohn 1940 im Zweiten Weltkrieg von einem Spezialkommando der Nazis im besetzten Warschau aufgespürt und von dort in die USA evakuiert wurde.

Seltsam: Ein jüdischer Rabbi wird von Nazis gerettet? Chabad-Lubawitsch, oder kurz Chabad, muss ziemlich gut vernetzt sein.

In Wikipedia lesen wir über Chabad auch: „Seit Rabbi Menachem Mendel Schneerson (1902–1994) werden außerdem erhebliche Anstrengungen unternommen, ihre im Judentum unübliche, messianische Art der Toraauslegung außerhalb der Bewegung zu popularisieren.“

Aha, Chabad ist also eine „kontroverse“ Strömung im Judentum, die innerhalb des Judentums um mehr und mehr Einfluss ringt. Wofür stehen die denn?

Ich schaue also weiter und finde mehr zu Rabbi Menachem Mendel Schneerson, der die aggressive Ausweitung von Chabad begann.

Schneerson lehrte, dass „die gesamte Gestalt eines Nichtjuden nur für das Wohlergehen von Juden existiert“ und dass „die jüdische Seele dem Heiligen entspringt, während die Seelen aller Ungläubigen (Goyim) aus den drei Kammern der Hölle stammen“.

Okay, interessant. Bei Chabad scheint es sich also um eine radikale, extremistische Sekte innerhalb des Judentums zu handeln. Das beruhigt mich, denn ich werde also kein Antisemit. Das Problem ist nicht das Judentum, sondern einflussreiche Extremisten innerhalb des Judentums.

Dieser Text wird schon viel länger, als ich es wollte. Daher belasse ich es zum Thema Chabad bei der Beobachtung, dass Donald Trump 2024, vor seiner zweiten Amtszeit, mit Kippa auf dem Kopf das Grab von Rabbi Menachem Mendel Schneerson besuchte – also dem Mann, für den Juden eine Art Übermensch darstellen und alle Goyim nur als Diener der göttlichen jüdischen Seele dienen.

Wir haben hier also eine extremistische jüdische Sekte, die schon vor Jahrzehnten über große Macht verfügte, seitdem aktiv an der Ausweitung ihrer eigenen Macht arbeitet und große Teile der Menschheit als Untermenschen sieht. Das Beispiel Axel Springer zeigt, wie sehr Massenmedien durch Israel kontrolliert werden, und Israel wird stark durch Chabad beeinflusst.

Vielleicht hat es ja damit zu tun, dass die Massenmedien schweigen?

Tatsächlich reicht dieser Sumpf noch tiefer, doch hier will ich nicht weiter hineinwaten.

Nachdem ich all das besser verstanden habe, wurde mir klar, was ich schon am Anfang erwähnte: Alles Wissen ist relativ. Es verändert sich ständig, und worin besteht der Mehrwert, Wissen zu sammeln, das ich nicht praktisch nutzen kann?

Tatsächlich fühlte und fühle ich mich im Angesicht dieser erdrückenden Macht und Unmenschlichkeit manchmal erschlagen und machtlos.

Wie vorgehen gegen so etwas Großes?

Die Antwort darauf habe ich, wieder einmal, in meiner spirituellen Praxis gefunden.

Ja, hier ist eine starke, bösartige Kraft am Werk, doch die Kraft des Bewusstseins und der Menschlichkeit (Dharma) sind noch stärker. All diese Gedanken an Trump, Chabad, dies und das – all das wirkt so groß, wenn ich gerade meiner Neugier erliege. Doch in meinem Sadhana, während meiner Meditation, verschwinden diese Schatten in der Strahlkraft des reinen Bewusstseins, mit dem ich mich zu verbinden versuche.

Jede Sekte kontrolliert ihre Anhänger, indem sie deren Gedanken vergiftet, und reines Bewusstsein ist das Gegengift.

Das Schwierigste für mich ist, auch nach fast zehn Jahren regelmäßiger Praxis, darauf wirklich zu vertrauen. Ich verstehe es intellektuell, aber dennoch denke ich im Alltag: „Diese Sache ist jetzt wichtiger“ oder „diese andere Sache ist jetzt wichtiger“, als mich auf reines Bewusstsein zu besinnen.

Durch diesen Krieg habe ich erkannt: Das stimmt nicht. Ich kann immer mehr Informationen sammeln, mehr verstehen und noch mehr verstehen – und am Ende verstehe ich doch immer noch gar nichts. Und es gibt unendlich viel mehr zu verstehen, als ich bisher verstehe.

Das nimmt kein Ende.

Nun glaube ich besser zu verstehen, was Shrii P. R. Sarkar meint, wenn er sinngemäß sagt: „Wenn du das höchste Bewusstsein kennst, dann kennst du alles“, und auch: „Menschen haben Angst vor dem höchsten Bewusstsein. Weil sie es nicht kennen, verfallen sie ständig in Gedanken an dies oder jenes – Gedanken, die ihnen vertraut sind.“

Um wirklich eins mit Parama Purusa, dem höchsten Bewusstsein, zu werden, reicht regelmäßige, gewissenhafte Praxis und Übung allein für mich nicht aus. Ich muss auch viel Mut aufbringen, um mein Verlangen zu verstehen, loszulassen und zu kontrollieren und mich ganz auf einen Gedanken zu konzentrieren – selbst wenn es so wirkt, als könnte die ganze Welt untergehen und ich müsste mich darauf vorbereiten.

Ohne diesen grauenhaften Krieg und all die Scheußlichkeiten, die damit verbunden sind, wäre ich vielleicht nie zu dieser Erkenntnis gelangt.

Und so bin ich dankbar und muss wieder einmal anerkennen: Alles geschieht zum Guten, auch wenn oft nicht klar ist, wie genau.


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