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der falsche prinz

Wem gehört Irans Exilprinz?

Reza Pahlavi, der Sohn des letzten iranischen Königs und damit für manche der rechtmäßige Thronfolger, lebt nahe Washington D.C. in den USA. Sein Anwesen steht derzeit für rund 3,1 Millionen US-Dollar zum Verkauf.

Beobachter sehen darin ein mögliches Signal für einen bevorstehenden Ortswechsel. Reza Pahlavi musste 1979 als Jugendlicher mit seiner Familie aus dem Iran fliehen, nachdem die von Ajatollah Chomeini geführte Islamische Revolution seinen Vater, Schah Mohammad Reza Pahlavi, entmachtet und die königliche Familie ins Exil gezwungen hatte.

Die Familie ließ sich damals nahe der Hauptstadt der Vereinigten Staaten nieder und damit in unmittelbarer Nähe politischer Machtzentren. Die politische Elite der USA gewährte einem langjährigen Verbündeten Schutz und ein Leben im Exil unter vergleichsweise komfortablen Bedingungen. Dies kann auch als Signal an andere autoritäre Verbündete der USA verstanden werden: Wer lange Zeit im westlichen Interesse agiert hat, kann im Ernstfall mit Schutz rechnen.

Rund 25 Jahre zuvor hatte der Schah eine zentrale Rolle im von westlichen Geheimdiensten unterstützten Putsch gegen den demokratisch gewählten iranischen Premierminister Mohammad Mossadegh gespielt. Mossadeghs zentrales politisches Projekt war die Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie. Zu diesem Zeitpunkt profitierten vor allem britische Interessen von den iranischen Ölvorkommen. Mossadegh wollte die Einnahmen stärker dem iranischen Volk zugutekommen lassen.

Diese Politik wurde vom Westen nicht toleriert. Westliche Geheimdienste organisierten Unruhen im Iran, bestachen Militärs und stärkten den Schah politisch und militärisch. Der Putsch von 1953 führte schließlich zur Absetzung, Verhaftung und Verurteilung Mossadeghs.

In der Folge wurde der Schah faktisch zum Alleinherrscher des Iran. Er vollzog eine Kehrtwende in der Ölpolitik und ermöglichte westlichen Konzernen weiterhin umfangreichen Zugang zu Irans Ressourcen – auf Kosten großer Teile der eigenen Bevölkerung. Darüber hinaus betrieb er eine von oben durchgesetzte Modernisierungspolitik, die sich stark an westlichen Vorstellungen orientierte. Widerstände in der Bevölkerung ließ er mit massiver Repression unterdrücken. Viele Iraner unterstützten deshalb 25 Jahre später die islamische Revolution der Mullahs, anstatt die Herrschaft eines weithin als fremdbestimmt empfundenen Königs fortzusetzen.

Vor diesem Hintergrund kann das heutige iranische Mullah-Regime auch als indirekte Folge westlicher Einflussnahme verstanden werden – ähnlich wie andere politische Akteure, die aus früheren geopolitischen Interventionen hervorgegangen sind. Ein bekanntes Beispiel sind die Taliban, die aus den von den USA unterstützten Mudschaheddin hervorgingen, welche im Kalten Krieg gegen die Sowjetunion eingesetzt wurden.

Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.

Kommen wir zur Gegenwart.

Reza Pahlavi erhielt kürzlich zwei exklusive Interviews in westlichen Leitmedien: eines auf dem US-Sender Fox News sowie ein achtminütiges Interview in der deutschen Tagesschau. Anlass waren die anhaltenden, teils gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Teilen der iranischen Bevölkerung und der iranischen Regierung, die sich zugleich von westlichen Regime-Change-Bestrebungen bedroht sieht.

Auch im Iran wird Reza Pahlavi zunehmend als mögliche Führungsfigur oppositioneller Bewegungen dargestellt. Dabei könnten westliche Akteure zumindest indirekt eine Rolle spielen. Bilder wie das Titelbild dieses Artikels entstehen dabei vermutlich nicht zufällig. Es ist zumindest denkbar, dass es sich um gezielt produzierte und verbreitete Aufnahmen handelt, um bestimmte Narrative zu stärken.

All dies kann als Hinweis auf eine mögliche militärische Eskalation unter Beteiligung Israels und der USA gegenüber dem Iran gelesen werden. Weitere politische und militärische Signale deuten auf eine angespannte Lage hin.

So hat der US-Präsident Donald Trump wiederholt mit einer direkten Einmischung der USA gedroht, sollten iranische Sicherheitskräfte weiterhin mit Gewalt gegen Proteste vorgehen. Kritiker sehen darin weniger humanitäre Motive als vielmehr geopolitische Interessen. Aus spieltheoretischer Sicht geraten die iranischen Machthaber dabei unter erheblichen Druck. Für sie geht es um Machterhalt, möglicherweise auch um persönliche Sicherheit.

Wenn ein in die Ecke gedrängtes Raubtier um sich schlägt – wer trägt dann die Verantwortung für die Folgen?

Reza Pahlavi selbst äußerte sich in einem Video auf der Plattform X (ehemals Twitter) zu seinen politischen Vorstellungen. Darin sagte er unter anderem:

„In der Diplomatie werden die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten normalisiert und unsere Freundschaft mit Amerika und seinem Volk wiederhergestellt. Der Staat Israel wird sofort anerkannt. Wir werden die Ausweitung der Abraham-Abkommen zu den Cyrus-Abkommen vorantreiben und dabei ein freies Iran, Israel und die arabische Welt zusammenbringen.“

Diese Aussagen können als Plädoyer für eine enge politische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Anbindung Irans an die USA und ihre Verbündeten verstanden werden. Kritiker sehen darin eine Fortsetzung jener Politik, die bereits unter seinem Vater verfolgt wurde.

Auch wirtschaftspolitisch äußerte sich Reza Pahlavi deutlich. Ebenfalls auf X schrieb er:

„Im Energiesektor verfügt der Iran über einige der größten Öl- und Gasreserven der Welt. Ein freier Iran wird zu einem verlässlichen Energielieferanten für die freie Welt werden. Die Politikgestaltung wird transparent sein. Irans Handeln wird verantwortungsvoll sein. Die Preise werden berechenbar sein.“

Kritisch gelesen könnte dies bedeuten, dass der Iran künftig vor allem die energiepolitischen Interessen westlicher Staaten bedienen soll – möglicherweise zu Bedingungen, die nicht primär dem iranischen Volk zugutekommen.

Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.

Aus Sicht des Autors steht Reza Pahlavi damit nicht für die Interessen des iranischen Volkes, sondern für eine Politik, die iranische Ressourcen erneut imperialen Machtstrukturen unterordnet.

In den vergangenen Wochen haben die USA zudem umfangreiche militärische Kräfte in den Nahen Osten verlegt. Vergleichbare Aufmärsche gab es zuletzt etwa im Kontext Venezuelas. Der Iran stellt jedoch ein deutlich komplexeres und militärisch stärkeres Ziel dar.

Parallel dazu kommt es in Syrien nach Berichten zu schweren Menschenrechtsverbrechen und massiver Gewalt gegen die Zivilbevölkerung, insbesondere in kurdischen Gebieten. Bewaffnete Kämpfer, die zuvor in Lagern interniert waren, sollen freigelassen worden sein. Die zukünftige Rolle dieser Gruppen bleibt unklar.

Hier spekuliere ich bewusst. Dennoch halte ich es für möglich, dass solche Akteure künftig unter neuem Namen und neuem Image als „Freiheitskämpfer“ gegen den Iran präsentiert werden könnten.

Der Artikel ist länger geworden als geplant. Auf einen positiven Abschluss verzichte ich bewusst. Ich werde jedoch auf diesen Text zurückkommen, wenn es darum geht, Machtstrukturen und die Rolle von Vermögenseliten sichtbar zu machen – und darüber nachzudenken, wie sie durchbrochen werden können.

Die Zeit dazu rückt näher.


Redaktionelle Notiz:
Dieser Beitrag verbindet historische Fakten mit politischer Einordnung und persönlicher Bewertung des Autors. Einige dargestellte Zusammenhänge sind als Analyse und Deutung aktueller Entwicklungen zu verstehen und erheben keinen Anspruch auf abschließende Gewissheit.

 

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