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Von Indrajit Joachim Voigt.
Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit.
Und neues Leben blüht aus den Ruinen.
Friedrich Schiller

 

Mit seiner sozioökonomischen Theorie PROUT betrat Shrii Shrii Anandamurti ein Terrain, auf dem spirituelle Lehrer und Philosophen traditionell eher nicht zu finden waren.

Dabei ist gerade dies ein konsequenter Schritt auf dem Weg zu einem ganzheitlichen Denken und Handeln, das für den Tantra-Yoga so charakteristisch ist.

In PROUT lautet die Definition des Wortes “Gesellschaft”: “den Weg gemeinsam gehen”.

Widerstände

Jedoch brachte diese konsequente ganzheitliche Lehre Anandamurti zu Lebzeiten viel Unfreundlichkeiten ein. Denn er wandte sich nicht nur gegen das Kastenwesen (so war etwa das Ablegen von Kastenwürden eine Voraussetzung für die persönliche Einweisung in die Meditationspraxis).

Er prangerte auch die Korruption unter den Mächtigen und die allgegenwärtige Ausbeutung der benachteiligten Massen an. Darauf reagierte die indische Regierung feindselig.

Darüber hinaus legte er progressive Konzepte für Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Demokratie in der Wirtschaft vor und trug diese aktiv in die Öffentlichkeit.

 

Ein neues Paradigma

Die Fünf Grundprinzipien seiner Sozialtheorie PROUT, die ich in kommenden Artikeln vorstelle, schaffen die Grundlage für eine ganze Reihe von Vorschlägen für eine strukturelle Erneuerung von Wirtschaft und Gesellschaft. Sie sind das letzte Kapitel in Anandamurtis zentralem Werk “Ananda Sutram”.

Unter seinem bürgerlichen Namen Prabhat Ranjan Sarkar konkretisierte er in zahlreichen Vorträgen seinen Gesellschaftsentwurf mit Konzepten für Wirtschaftsdemokratie und ökologische Nachhaltigkeit, Verteilungsvernunft und Partizipation.

Seit den 1970er Jahren findet PROUT in vielen Teilen der Welt Beachtung. So kommentierte Johan Galtung, Gründungsvater der Friedens- und Konfliktforschung:

“Sarkar’s Theorie ist denen von Adam Smith oder Marx weit überlegen.”

Oder Noam Chomsky, Sprachwissenschaftler und bekannter US-Regierungskritiker:

“Wir sollten PROUTs kooperativem Wirtschaftsmodell mit seinem Konzept einer gerechten Ressourcenverteilung unsere ernsthafte Aufmerksamkeit zuteil werden lassen.”



Die FÜNF Grundprinzipien sind der Leitfaden für eine fortschrittliche, humane Gesellschaft.

Fünf Grundprinzipien

In fünf Prinzipien wird die theoretische Grundlage der sozio-ökonomischen Theorie PROUT (“Theorie der progressiven Nutzung”) gelegt. Von dieser abstrakten Ebene aus lassen sich elementare gesellschaftliche Werte wie soziale Gerechtigkeit oder Nachhaltigkeit ableiten.

In ihrer Abstraktheit liegt ihre universale Gültigkeit. Zum besseren Verständnis möchte ich zunächst einige zentrale Begrifflichkeiten kurz erläutern.

 

Ressourcennutzung in allen Lebensbereichen

Hier geht es also nicht nur um Wirtschaft oder Politik, sondern um einen ganzheitlichen Ansatz, der Individuen und Gesellschaften als Elemente des kosmischen Organismus begreift.

Es dreht sich alles um Ressourcennutzung als zentralen Aspekt der Sozioökonomie. Dafür werden die gesellschaftlich verfügbaren Resourcen (Nutzungspotenziale) in drei miteinander verbundene Ebenen oder Sphären eingeteilt.

 

Individuum/Gesellschaft Welt/Kosmos
Physische Ebene Körper, Gesundheit, Leistungfähigkeit Materie, Rohstoffe, Energie
Geistige Ebene Psyche, Intellekt, Emotion Naturgesetze, Wissenschaft, Theorien, Methoden/Fertigkeiten
Kausale Ebene Bewusstsein, Seele, Intuition Subatomare Dimension; verborgene Energie, Zeit

 

Die gesellschaftlichen Prinzipien, um die es hier geht, bauen auf ein Weltbild eines  lebendigen, dynamischen Universums auf. Ich fasse hier noch einmal die wesentlichen Elemente zusammen:

 

1. Evolution hat eine Richtung

Evolution folgt einem Muster: sie bringt immer komplexere Lebensformen hervor. Ihr komplexestes Produkt auf dem Planeten Erde bisher: das menschliche Gehirn mit seinen Milliarden von Zellen und Verbindungen.

Die Evolution des Lebens begann mit primitiven Funktionen zur Stoffwechselregulierung; sie findet ihren vorläufigen Höhepunkt in den großen kulturellen Leistungen des homo sapiens. Evolution ist die Entwicklung von Geist und Bewusstsein. Dieses Evolutionsprinzip soll in den gesellschaftlichen Maximen seinen Ausdruck finden.

2. Evolution endet nicht

Gesellschaftliche Entwicklung ist Teil des großen evolutionären Prozesses, der nach menschlichem Ermessen nie an irgendeinem Schlusspunkt ankommen wird.

PROUT erschöpft sich also nicht darin, Lösungen etwa für die aktuellen Probleme des Kapitalismus zu liefern. Ebensowenig wird eine Art paradiesischer Endzustand in Aussicht gestellt, wie dies bspw. im marxistischen Gesellschaftsmodell impliziert wird. Nur Träumer hoffen auf eine Welt, in der alle Probleme dauerhaft gelöst sind.

Nein, Evolution bedeutet Veränderung, die niemals stillsteht und die auch nie konfliktfrei vonstatten geht. Die gesellschaftlichen Bedingungen müssen sich diesem Prinzip anpassen.

3. Umfassender Fortschritt

Die einseitige Fokussierung des heutigen Fortschrittsdenkens auf neue Technologien ist eine armselige, am Ende katastrophale Sackgasse für die Menschheit.

PROUT ist alles andere als technologiefeindlich, doch technologischer Fortschritt muss eingebunden sein in eine viel umfassendere Evolutionsphilosophie.

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