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In diesem Diskurs beschreibt P. R. Sarkar, wie wir Entscheidungen treffen. 

Über Unterscheidungsvermögen, Sentiment und Instinkt

Der Geist übt verschiedene Tätigkeiten aus, wie Denken, Erinnern, usw. Darüber hinaus arbeitet der Geist auf drei verschiedene Arten.

Unterscheidung

Eine davon ist der Weg der Unterscheidung. Was ist ihre Natur? “Ich sollte dies tun! Nein, ich sollte dies nicht tun!” – zu tun oder nicht zu tun.

Wenn der Mensch beim Beurteilen und Unterscheiden zwischen richtig und falsch den richtigen Weg wählt, wird dies Viveka [Gewissen] genannt. Und der Weg der Unterscheidung wird “Rationalität” genannt. Wenn man sich vorwärts bewegt, geleitet vom Gewissen, existieren diese Alternativen nebeneinander: Angemessenheit und Unangemessenheit, Gebote und Verbote. Man ist geistig in Bewegung, und die Geschwindigkeit kann erhöht werden, aber nicht sehr. Man muss sowohl das Angemessene als auch das Unangemessene einer Sache prüfen; wenn man dann eine Entscheidung auf der Seite des Angemessenen trifft, nennt man sie “Gewissen”.

Wenn ich erst diese und dann jene Seite prüfe – analysiere und dann einen Schritt mache – ist es natürlich schwierig, in diesem Prozess schnell voranzukommen. Es gibt zwar Fortschritte, aber der Grad der Geschwindigkeit ist vergleichsweise langsam.

 

 Gefühl [engl. Sentiment]

Die zweite Art der psychischen Bewegung ist sentimental. Man unterscheidet nicht zwischen dem Gerechten und dem Ungerechten; man hat lediglich eine Vorliebe für etwas und lässt den Geist danach laufen.

In diesem Prozess, in dem der Geist hinter etwas herläuft, war das, was ich getan habe, vielleicht von Anfang bis Ende richtig oder wünschenswert. Andererseits habe ich vielleicht von Anfang bis Ende unangemessen oder unerwünscht gehandelt.

Aber das ist ein sehr riskanter Weg, denn wenn es am Anfang, in der Mitte und am Ende unangemessen ist, wird nicht nur ein bestimmtes Individuum ruiniert, sondern er oder sie kann eine ganze Familie, eine ganze soziale Gruppe, einen ganzen Staat oder eine ganze Gesellschaft in die gänzliche Zerstörung führen. Eine große Gefahr!

Dieses blinde Hinterherlaufen, ohne zwischen dem Richtigen und dem Unrichtigen zu unterscheiden, nennt man ” Sentiment “. Man rennt der Idee, die einem in den Sinn gekommen ist, hinterher wie ein ungezügeltes Pferd, ohne die guten oder schlechten Folgen zu bedenken. Das Pferd kann den richtigen Weg einschlagen oder in einen Abgrund stürzen. Man kann nicht sicher sein.

 

Wissen ist wichtig

Menschen sind in der Lage, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden, weil ihr Geist einigermaßen entwickelt ist, aber der Geist anderer Lebewesen als der der Menschen ist nicht so entwickelt. Aufgrund ihres unterentwickelten Geistes können sie nicht den Weg der Rationalität gehen, den Weg der Unterscheidung, den fast jeder Mensch gehen kann.

Diejenigen, die sagen, dass ein Studium nicht notwendig ist – “Lasst eure Bücher beiseite!” – sind falsch. Studium ist unerlässlich, Wissen ist unerlässlich, und der Umgang mit gelehrten und erleuchteten Menschen ist unerlässlich. Gelehrte Reden zu hören, die Schriften zu studieren und zu verstehen, das alles ist wichtig.

Aber Tiere, die weniger entwickelt sind als Menschen, sind dazu nicht fähig. Sie können nicht dem Pfad der Rationalität oder des Gewissens folgen.

Die höher entwickelten Tiere folgen lediglich dem Weg des Gefühls. Wenn ein Tier etwas mag, läuft es ihm hinterher; wenn es etwas nicht mag, läuft es ihm nicht hinterher. Ein Hund zum Beispiel rennt auf ein Stück Brot zu, ohne zur Seite zu schauen. Oder es werden einige Reiskörner unter einem Netz ausgebreitet. Plötzlich erblickt ein Vogel die Körner und setzt sich auf den Boden. Er denkt: “Lass mich hinuntergehen und sie essen!” So verfängt er sich im Netz. Hätte er aber den Weg der Vernunft eingeschlagen, hätte er gedacht: “Hmmm, Reis ist in einem so abgelegenen Waldgebiet verstreut! Das ist unnatürlich. In der Nähe gibt es weder ein Dorf noch Reisfelder – also ist das wirklich seltsam. Lass mich eine Weile darüber nachdenken… Aha! Ein Netz ist ausgebreitet und Seile sind an allen Seiten angebracht. Ich darf dort nicht landen!” Das ist der Weg der Logik. Aber wenn er dem Weg des Gefühls folgt, wird er landen und sich im Netz verfangen.

 

Instinkt

Unentwickelte Lebewesen haben selbst dieses Gefühl nicht. Sie handeln nur nach dem angeborenen Instinkt; sie handeln mit dem begrenzten Geist, den sie bei der Geburt geerbt haben.

Ein Oktopus fängt eine Krabbe mit Hilfe seines begrenzten Geistes. Eine Mücke, die von ihrem angeborenen Instinkt geleitet wird, saugt Blut, wenn sie sich auf den Körper eines anderen setzt.

Wir können ihre Handlungen nicht als gut oder schlecht beurteilen, noch werden sie von Gefühlen geleitet – sie besitzen diese Dinge nicht. Bei den entwickelten Tieren übersteigt das Gefühl den angeborenen Instinkt. Und höher entwickelte Lebewesen, wie zum Beispiel der Mensch, besitzen sowohl Gefühle als auch Rationalität und das Unterscheidungsvermögen.

Wenn jemand den Weg des Sentiments anstelle des Weges der Rationalität einschlägt, besteht mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit eine große Gefahr. Diejenigen, die sich auf dem Weg der Sentimente bewegen, unterscheiden nicht zwischen dem Richtigen und dem Unrichtigen, sondern akzeptieren einfach stillschweigend alle Glaubenssätze, die das Ziel umgeben, auf das sie zugelaufen sind. Selbst die geringste Frage nach Angemessenheit oder Unangemessenheit stellt sich ihnen nicht, denn sie bewegen sich auf dem Pfad des Sentiments.

 

Was sollten wir tun?

Was sollte man nun als Mensch tun? Man sollte dem Weg der Rationalität folgen. Rationalität ist ein Schatz der Menschheit, den kein Tier besitzt.

Und diejenigen, die das innere Gut der Hingabe in ihrem Herzen besitzen und im Umgang mit der äußeren Welt dem Weg der Rationalität folgen, werden sicher siegreich sein.

Auszug aus Die Befreiung des Intellekts – Neohumanismus

 

 

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