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Es ist Dharma [ureigne Eigenschaft], das die Existenz von Pflanzen, Tieren, Menschen und allen lebenden und nicht-lebenden Wesen erhält.

Wenn also das Dharma eines Wesens gefährdet ist, sollte man verstehen, dass die Existenz dieses Wesens selbst in Gefahr ist.

Aus diesem Grund sind weise, kreative und nachdenkliche Menschen ernsthaft besorgt, wenn sie feststellen, dass etwas seine ureigene Eigenschaft oder sein Dharma verloren hat. In der Tat ist die führende Gottheit in einem Lebewesen Dharma. Dhryate dharma ityáhuh sa eva paramaḿ prabhuh [“Das, was ein Lebewesen aufrechterhält, was seine motivierende Kraft ist, ist Dharma”].

Wissenschaftler machen sich zunächst mit dem Dharma oder den Eigenschaften verschiedener Substanzen vertraut und beginnen dann mit ihren Forschungen, um immer neue Informationen über diese Substanzen zu entdecken, dann verbreiten sie ihre verschiedenen Theorien und formulieren neue Erfindungspläne.

Bäume und Pflanzen, Holz, Ziegel und Steine, Tiere und Menschen – sie alle sind großartig in ihren jeweiligen Dharma-Bereichen. Mit Dharma ist hier keine bestimmte Religion gemeint, sondern die Quintessenz der eigenen Existenz.

Da die Menschen in menschlicher Form gekommen sind, müssen sie leben und wachsen, sie müssen sich im menschlichen Leben etablieren und einen würdevollen Tod sterben, denn das ist ihr menschliches Dharma. Sie können es sich nicht leisten, sich einfach aus Selbsterhaltungs- und Fortpflanzungstrieb auf das Niveau nicht-menschlicher Wesen herabzulassen.

Das Wesen des Mánava Dharma [menschliches Dharma] besteht aus drei Faktoren und einem vierten Faktor, der sich aus den ersten drei ergibt:

(1) Vistára, das Prinzip der Erweiterung;

(2) Rasa, das Prinzip der völligen Hingabe an Parama Puruśa [Höchste Bewusstsein];

(3) Sevá, der selbstlose Dienst an Parama Puruśa und Seiner Schöpfung; und

(4) Tadsthiti, die endgültige Einkehr in Parama Puruśa.

Der Mensch will sich erweitern, aber das ist nicht möglich, indem er andere ihres Reichtums beraubt. Es ist nur möglich, indem man seine menschlichen Werte und sein existentielles Bewusstsein in einen Strom von Süße taucht und sie im ganzen Universum ausbreitet – indem man die süßesten Gefühle aus den innersten Tiefen des eigenen Herzens in das Herz eines jeden Wesens einfließen lässt.

Rasa bedeutet, mit immer währendem, glückseligem Bewusstsein gesättigt zu sein – die menschliche Existenz mit süßer Frische zu beleben. Dies ist nur möglich, wenn man eine ständige Verbindung mit der Höchsten Wesenheit aufrechterhält, aus der die eigene individuelle Existenz hervorgegangen ist.

Diese unsere Welt ist eine Welt des Gebens und Nehmens. Und in diesem Prozess des Gebens und Nehmens macht der menschliche Geist weder Fortschritte noch Rückschritte. Wenn man nur an das Nehmen denkt, degeneriert der Geist; wenn man wiederum nur an das Geben denkt, kann man auf einer bestimmten Stufe Gleichgültigkeit gegenüber seiner eigenen Existenz entwickeln. Daher müssen die Menschen diese Ebene des Gebens und Nehmens überwinden: Sie müssen sich als Werkzeuge des Höchsten Wesens betrachten und sich vorbehaltlos in das von Ihm gewünschte Werk begeben. Das ist der Grundgedanke von Sevá.

Vistára, Rasa und Sevá – diese drei gehören also zum Sádhaná [Spirituelle Praxis], und das Ziel dieser Sádhaná ist der vierte Faktor, das Ergebnis all dieser drei.

Mánava Dharma ist die Kombination aus allen vier Faktoren. Dieses Dharma ist der größte Freund der Menschen. Diesem Dharma zuliebe kann man alles opfern; für dieses Dharma ist keine Härte zu groß. Daher wird dieses Dharma Bhágavata [Göttliches] Dharma genannt.

Shivaʼs* Feststellung lautet: Dharma rakśati rakśitah – “Wer Dharma schützt, wird von Dharma geschützt.”

 

Dharma rettet den Dhármika [den Hüter des Dharma] in der materiellen Sphäre, in der subtilen Sphäre und in der ursächlichen Sphäre.

Wenn Dharma Menschen in der materiellen Sphäre rettet, erleben sie es vor ihren Augen, sie hören es mit ihren Ohren, sie fühlen es mit der Zärtlichkeit der Berührung. Wenn Dharma ihnen in der kausalen Sphäre hilft, erleben sie es, indem sie Parama Puruśa mit der ganzen Süße ihres Herzens lieben. Dieses Gefühl hat keinen äußeren Ausdruck. Wenn Dharma die Menschen in der subtilen Sphäre rettet, erfahren sie es durch tiefes Nachdenken.

Die Dynamik des Dharma wirkt hauptsächlich in der feinstofflichen Sphäre. Mit der zunehmenden Entwicklung der Reflexionskraft erkennen dharmische Menschen, dass Dharma auf sehr subtile Weise immer bei ihnen ist. Sie erkennen außerdem, dass ihr Dharma und ihr geliebtes Parama Puruśa eins und untrennbar sind.

So stellte Shiva klar fest: Dharmasya súkśmá gatih [“Die Wege des Dharma sind sehr subtil”].

 

 

*Shiva war ein großer Yogi und Begründer des Tantra

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