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Von Indrajit Joachim Voigt

Meditation ist die zentrale Methode der Bewusstseinsentwicklung im Tantra. Im Ashtanga Yoga, dem “Achtgliedrigen Pfad”, der sich im Westen großer Beliebtheit erfreut, sind die einzelnen Meditationsmethoden zusammengefasst. Leider kommt in den Yogazentren Europas fast ausschließlich das Hatha Yoga (Körperübungen) an.

Ungebetene Gäste

Meditation ist ein mentales Training mit dem Ziel, die äußere, unruhige Schicht des Geistes hinter sich zu lassen und in tiefere Schichten einzutauchen. Doch das ist nicht einfach, denn unser Bewusstsein ist vom Aufwachen bis zum Einschlafen durch äußerliche Dinge – Arbeit, Beziehungen, Vergnügen, Wünsche, Pläne, Probleme, Sorgen usw. – besetzt. Unsere gesamte mentale Energie verausgabt sich hier. Wie können wir diese unliebsamen Gäste – die Gedanken – loswerden? Mentale Energie kann nicht einfach “verschwinden”, sie muss sich immer in irgendeiner Form ausdrücken (außer in Bewusstlosigkeit oder Tiefschlaf). In der Meditation lernen wir deshalb sie umzuwandeln.

Die Brandung überwinden

Gedanken bekommen eine besonders starke Eigendynamik in dem Moment, in dem sie nicht mehr dazu dienen sich in der Welt zu bewegen und Aufgaben zu bewältigen. Also genau beim Meditieren: sobald wir die Augen schließen und die Gedanken abziehen aus der Außenwelt, purzeln sie durcheinander und drehen sich im Kreise. Es sind dann oft die selben Gedanken, die sich wieder und wieder im Kopf abwechseln. Das verhindert die Weiterreise nach innen. Um ins offene Meer zu gelangen, muss zunächst die Brandung überwunden werden. Dazu muss die Gedankenenergie fokussiert werden.

Eins werden

Fokussierung bedeutet die Aufmerksamkeit von vielen wechselnden Objekten auf ein einziges Objekt zu konzentrieren. Das kann ein Bild, eine Vorstellung oder eine Körperwahrnehmung sein. Wenn dies für einige Zeit gelingt und die Gedanken “draußen bleiben”, dann ist dies ein sehr wacher, klarer und energiegeladener Zustand, denn die Energien sind gebündelt wie die Sonnenstrahlen in einem Brennglas. Dies ist auch eine gute Basis für die Weiterreise in die tieferen Bereiche des Bewusstseins.

Was sich vielleicht einfach anhört, ist natürlich in der Realität kein Selbstläufer. Den Fokus für längere Zeit auf einem Punkt zu halten ist eine Kunst, die auch eine gewisse Art von Stärke erfordert. Und so gibt es in der Yogatradition für diesen Prozess der Verinnerlichung die Bezeichnung sadhana: die “rechte Bemühung”.

“Rechte Bemühung”

Das Wort Bemühung klingt ein wenig nach Stress, doch kann man es auch als Herausforderung verstehen. Auch Sportler mühen sich ab – und genießen die selbst auferlegten Torturen im Training auf gewisse Weise. Im Grunde bekommt alles, wofür man brennt und wonach man strebt einen besonderen Wert dadurch, dass es erkämpft oder erarbeitet wird.

Ein nachhaltiger Erfolg im sadhana erfordert Achtsamkeit, Konzentrationsfähigkeit und Regelmäßigkeit, besonders am Anfang auch Geduld und einen gesunden Willen. Außerdem kommt den anderen tantrischen Praktiken, die ich hier auf anderen Seiten vorstelle, eine unterstützende Bedeutung zu.

Die Glückswelle

Wie mag sich das anfühlen, wenn die Dualität in uns – hier Subjekt, dort die Welt der Objekte – sich immer mehr in Einem singulären Seinszustand auflöst? Yogis beschreiben es als grenzenlose Freude: ananda. Der große Yogananda beschrieb eine spirituelle Erfahrung so: “Eine ozeanische Freude überschwemmte die endlosen Ufer meiner Seele”.

Und obgleich solche unbeschreiblichen Glückserlebnisse jeder intellektuellen Analyse spotten, kann ich es dennoch nicht lassen eine Erklärung anzubieten. Wie also manifestiert sich eine transzendente Erfahrung dieser Magnitude auf der physischen Ebene?

Unser Körper schüttet bei kognitiven Ereignissen Hormone aus. Wenn schon die Nachricht über eine bestandene Prüfung Euphorie auslösen kann, welcher Sturm von Glückshormonen mag erst hereinbrechen, wenn man das zeit- und grenzenlose kosmische Sein in sich selbst erfährt?

Im großen Schöpfungszyklus hängt alles mit allem irgendwie zusammen.


Kernelemente der Meditation

  • Sinneswahrnehmung reduzieren.
  • Körperfokussierung.
  • Mantra.
  • Atemrhythmus.
  • Sinn.

Elemente der tantrischen Meditation

Die tantrischen Techniken und Methoden werden traditionell individuell unterrichtet, d.h. durch einen Lehrer oder eine Lehrerin im persönlichen Kontakt. Ein Grund dafür ist, dass sie eine starke individuelle Komponente haben. Sie sollen zudem immer kostenfrei gelehrt werden, denn das kosmische Grundrecht jedes Menschen auf Selbsterkenntnis kann und darf nicht zur Handelsware werden. Wer hier ein persönliches Interesse hat, mag mich gern kontaktieren, ich kann solche Kontakte herstellen.

Hier die wichtigsten Elemente der tantrischen Meditationsmethodik.

Sinneswahrnehmung reduzieren

Augen schließen, fest und ruhig sitzen, ganz in den Frieden der inneren Stille eintauchen. Dieses jedoch bei absoluter Wachheit – die geistige Energie, die normalerweise durch Sinneswahrnehmung und -verarbeitung absorbiert wird, wird hier bewusst nach innen gelenkt.

Körperfokussierung

Die Aufmerksamkeit oder Wahrnehmung, die immer ein Objekt braucht, wird auf bestimmte Punkte und Energiefelder im Körper fokussiert.

Mantra

Der Klang eines Mantras, im Innern wiederholt, besitzt große Kraft. Kurze Rückblende: Klang ist die erste physikalische Manifestation im Entstehungsprozess des materiellen Universums. Bis zu diesem Punkt war es eine rein geistige Schöpfung. Im ersten der fünf materiellen Faktoren, dem “ätherischen Faktor” akashaformt sich das Wort “Om” als der erste Klang der Schöpfung. “Am Anfang war das Wort” ist die biblische Version dieser alten Wahrheit.

Weil also der Klang-Faktor direkt an der Schwelle zum Geistigen steht, besitzt Klang die größte psychische Kraft aller materiellen Schwingungen. Dies ist der Grund, warum Musik einen so tiefgreifenden Einfluss auf unsere Psyche hat, sei es eine Bach-Komposition oder das Supermarktgedudel, das auf unterbewusstem Level die Kauflaune steigert. Oder eben auch Mantragesänge: sie sollen spirituelle Gefühle und Sehnsucht wecken und und Lust auf die innere Reise machen.

In der Meditation werden stille Mantren wie eine innerlich erzeugte Musik gezielt eingesetzt um die Selbsterfahrung zu intensivieren. Ein geistig wiederholter Klang “glättet” die Wogen der Gedanken und trägt das Gemüt in Richtung der spirituellen Ebene.

Dieser Prozess wird unterstützt durch die Art und Weise, wie Mantren in der Meditation angewendet werden.

Atemrhythmus

Der Atem versorgt nicht nur unsere Körperzellen mit Sauerstoff, er hat auch großen Einfluss auf unser psychisches Befinden. Tiefes, bewusstes Atmen verlangsamt die Körperfunktionen, beruhigt den Herzschlag und die Sinne (es hilft etwa auch beim Einschlafen). Es stärkt die Konzentrationsfähigkeit – also die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit eine Zeitlang auf einem Punkt oder bei einem Thema zu halten und nicht gedanklich abzuschweifen. Wird nun ein zweisilbriges Mantra im Rhythmus des Ein- und Ausatmens wiederholt, so verstärken sich diese beiden Komponenten gegenseitig: die Schwingung des Mantras und die Kraft des Atmens.

Sinn und Bedeutung

Tantrische Mantren haben eine Bedeutung, die an das höchste kosmische Sein im eigenen Wesenskern erinnert. Diese Erkenntnis wirkt wie eine Affirmation, deren Bedeutung durch Wiederholung immer mehr verinnerlicht wird. Im Konzert mit Mantra-Schwingung und Atmung ist sie das Ruder, welches das Boot der Seele sicher über den unbekannten Ozean des Seins steuert.

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