Der nächste Schritt ist entscheidend

Wo immer Leben ist, finden wir Bewegung. Die Bewegungen des Lebens verlaufen jedoch nicht gradlinig, nicht ununterbrochen nur in eine Richtung. Vielmehr verlaufen sie wellenförmig, sie pulsieren und nehmen dabei an Geschwindigkeit zu und wieder ab.

Am Punkt maximaler Geschwindigkeit, an ihrem Höhepunkt, nehmen wir diese Bewegungen am intensivsten wahr während sie an ihrem langsamsten Punkt für uns kaum wahrnehmbar sind.

Unsere Wahrnehmungen folgen einem Muster schwankender Intensitäten. Hören wir etwas zu, wie etwa einem Lehrer, einem Hörbuch oder Musik, bewegt sich unser Geist zu zunächst hauptsächlich entsprechend der Klänge, die von der Quelle ausgehen, der wir zuhören.

Doch schon bald wird sich diese geistige Bewegung verlangsamen und andere Bewegungen beschleunigen sich. Vielleicht kommt ein Gefühl von Hunger in uns auf oder wir bemerken, dass es uns zu warm oder zu kalt ist. Vielleicht denken wir an zu erledigende Aufgaben oder erinnern uns an einen schönen Moment. In unserem Geist findet ein ständiges Wechselspiel von Bewegungen dieser Art mit zunehmenden und abnehmenden Geschwindigkeiten statt.

Dieses Wechselspiel variierender Geschwindigkeiten könnten wir nicht existieren, denn nur im Bereich der Pause können wir das erlebte aufnehmen und in unsere innere Welt integrieren. Ohne Ruhe ist Verstehen nicht möglich.

Während eines Gespräches müssen wir kurz Innehalten, bevor auf Gesagtes antworten können. Der Grund ist, dass wir gleichzeitig nur schwer den Worten folgen und ihre Bedeutung verstehen können. Auch deshalb trennen wir einzelne Sinnzusammenhänge in Schriftform durch Punkte und Kommas voneinander ab und betonen sie beim Vorlesen entsprechend.

Ein ähnliches Muster finden wir beim aufrechten Gang. Gehen wir einen Weg entlang, so bewegt sich stets ein Fuß durch die Luft während der Andere am Boden ruht. Ohne den scheinbar untätigen Fuß kämen wir nicht voran, Fortschritt wäre nicht möglich.

Der nächste Schritt basiert stets auf dem vorigen – der letzte Schritt wird zum Ausgangspunkt für den nächsten. Pausen sind die Grundlage für Bewegung und ohne Bewegung hätten Pausen keinen Sinn.

Während Ruhephasen bündeln und mobilisieren sich Kräfte, die sich dann in Phasen der Bewegung manifestieren. Je länger und langsamer eine Ruhephase ist, desto mehr Kräfte können sich in der darauf folgenden, aktiven Phase entladen.

Dieses Prinzip gilt nicht nur in unserem individuellen Leben. Analysieren wir die Geschichte sorgfältig, so können wir feststellen, dass auch Gesellschaften Zyklen beschleunigter und verlangsamter Bewegung durchlaufen.

Während Phasen der Stagnation, wie während der letzten Jahre der DDR, fühlt es sich oft so an, als wäre Wandel gar unmöglich geworden. Viele Zeitzeugen der Wende berichten, dass sie sehr von den Ereignissen überrascht wurden. Während der Phase der Stagnation der DDR und der UDSSR sammelten sich die Kräfte, die dann den Fall des eisernen Vorhangs und die Wiedervereinigung Deutschlands ermöglichten.

Heute, etwa 30 Jahre später, befinden wir uns wieder in einer Phase der Verlangsamung. Unsere Gesellschaft wurde Buchstäblich und gezielt Richtung Stillstand geführt. Schädliche Kräfte haben sich während der vergangenen Jahrzehnte bedeckt gehalten und ihre Kräfte gesammelt. Nun sind sie in Bewegung und wir, die fortschrittlichen Kräfte, verharren in scheinbarem Stillstand. Der eine Fuß steht, während sich der andere bewegt.

Nun ist die Zeit für uns gekommen, um unsere Kräfte zu sammeln für den Tag, an dem sich die Bewegung der Gegenseite erschöpft und ihre Geschwindigkeit abnimmt. Dieser Tag wird kommen, er muss kommen. Das Leben verläuft nie gradlinig und je länger und intensiver eine Bewegung ausfällt, desto stärker wird ihre Gegenbewegung.

Der nächste Schritt wird unser Schritt. Unsere Gegner wollen uns Richtung völligem Stillstand zwingen, unsere Antwort wird die völlige Befreiung sein. Der nächste Schritt wird entscheidend, und er wird kommen. Er muss.

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