Namibia

Hanna und Steffen sind zwei junge Menschen aus Deutschland, die zurzeit in Namibia einen Freiwilligendienst leisten.

Ihr Einsatzort ist die Eluwa Special School in Ongwediva, einer Stadt mit rund 20.000 Einwohnern. Sie liegt in der Region Oshana im Norden des Landes.

An der Eluwa Special School, einem Internat für Kinder und Jugendliche mit Hör- oder Sehbeeinträchtigungen, bieten Hanna und Steffen Sportstunden und weitere Aktivitäten an.

Über die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel war auch in Namibia keine Schule. Hanna und Steffen konnten die Ferien für gemeinsame Unternehmungen und Ausflüge mit anderen Freiwilligen nutzen. Sie wurden dazu eingeladen, die Weihnachtsfeiertage ganz traditionell auf dem Land in einem Village zu verbringen.

Bei ihrer weiteren Reise ging es auch in die Küstenstadt Swakopmund. Steffen schreibt dazu in seinem Blog:

Der erste Eindruck: „Man ist das anders hier!” Im Gegensatz zu Ongwediva ist das wirklich ein Unterschied wie Tag und Nacht. In einigen Vierteln habe ich mich gefühlt wie in Deutschland. Es gibt Fachwerkhäuser, deutsche Buchhandlungen, unglaublich viele Weiße und an jeder Ecke hört man Leute deutsch sprechen.

Das ist etwas, was ich aus Ongwediva so gar nicht mehr gewohnt war, da hier nur sehr wenige Weiße leben. Für den Urlaub war es zwar auch mal ganz angenehm, in der Öffentlichkeit nicht so stark aufzufallen, weil es einfach mehr Weiße gibt, dennoch freue ich mich im Nachhinein, im Norden gelandet zu sein.

In meiner Wahrnehmung, die auch von vielen Mitfreiwilligen geteilt wird, gibt es in den Küstenstädten eine ziemlich starke Trennung zwischen Schwarzen und Weißen. Es wirkte auf mich, als wenn im Stadtinneren viele Weiße wohnen, während in den Randbezirken bzw. Townships nur Schwarze leben. Eine solche Trennung habe ich hier in Ongwediva bisher gar nicht wahrgenommen, womit ich mich deutlich wohler fühle.“

 

Swakopmund ist eine der Städte in Namibia, die ganz offensichtlich immer noch stark durch die ehemalige Kolonialherrschaft der Deutschen geprägt sind.

Auf dem Rückweg in den Norden besuchten Hanna, Steffen und einige der Mitfreiwilligen den Waterberg. Das ist ein riesiges Felsplateau in der Nähe von Otjiwarongo. Dieser Berg hat eine große Bedeutung für die deutsch-namibische Geschichte. Dort fanden einige sehr entscheidende Schlachten statt, bei denen die sogenannte Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika im Jahr 1904 die Aufstände der Volksgruppe der Herrero blutig niederschlug. Die Herrero wurden in die Wüste getrieben und der Zugang zur Wasserversorgung wurde ihnen verwehrt. Rund 80% der Herrero verloren dabei ihr Leben.

Am Fuß des Berges befindet sich ein deutscher Friedhof mit einer Gedenkstätte für die während der Schlacht am Waterberg gefallenen Deutschen.

Steffen findet in seinem Blog kritische Worte zu dieser Gedenkstätte:

Auf zahlreichen Gräbern und Gedenktafeln wird vom „Heldentod” deutscher Soldaten geschrieben. Inwiefern die Schlacht damals mit deutschem Heldentum zu tun haben soll ist mir schleierhaft. Inwiefern ist es heldenhaft, so viele weit schlechter ausgestattete Herrero-Krieger zu ermorden? Inwiefern ist es heldenhaft, die Überlebenden nach gewonnener Schlacht in die Wüste zu treiben und ihnen durch den Entzug des Wassers jegliche Überlebensaussichten zu nehmen?

Klar waren es andere Zeiten, dennoch finde ich es zumindest diskussionswürdig, warum die Gedenktafeln in der Formulierung heute immer noch dort stehen dürfen. Zumal im Gegensatz dazu den gefallenen Herrerokriegern auf diesem Friedhof nur mit einer im Vergleich sehr kleinen Tafel gedacht wird.

Aus meiner Sicht viel zu wenig, da ja nicht mal nur Krieger den Deutschen zum Opfer fielen. Der Befehlshaber Lothar von Trotha äußerte sich eindeutig: „Innerhalb der deutschen Grenzen wird jeder Herrero mit und ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen, ich nehme keine Weiber oder Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volke zurück, oder lasse auf sie schießen.“

Zwar weiß ich nicht, ob woanders am Waterberg noch eine größere Gedenkstätte für die gefallenen Herrero existiert, dennoch bin ich der Meinung, dass die deutsche Stätte dort nicht in der Form stehen sollte, ohne die damaligen Verbrechen angemessen aufzuarbeiten.“

 

Es ist wichtig, dass sich Menschen mit ihrer Geschichte und den Handlungen ihrer Ahnen befassen. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit den Verbrechen aus der Zeit des deutschen Kolonialreiches, deren Folgen bis heute sichtbar sind.

Ein Freiwilligendienst bietet eine wunderbare Gelegenheit zur Völkerverständigung und zur Heilung. Ich danke Hanna, Steffen und den anderen Freiwilligen für ihren hingebungsvollen Dienst.

 

Falls du mehr über den Freiwilligendienst von Hanna und Steffen erfahren möchtest, empfehle ich dir ihre Blogbeiträge (https://hanna-in-namibia.jimdofree.com/blog-1/ und https://steffeninnamibia.jimdofree.com/blog/)

Dort findest du auch wundervolle Fotos von ihren Begegnungen mit den Menschen, der Landschaft und den Tieren.

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