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Friedenscamp Stopp Air Base Ramstein 2021 – Ein Bericht

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Von Achim Reschke

Das Friedenscamp der Initiative Stopp Air Base Ramstein fand dieses Jahr vom 4. bis 11. Juli wie immer auf freiem Feld nahe der riesigen US Air Base statt.

Von dieser größten US-Luftwaffenbasis außerhalb der USA werden von der NATO leider schon lange sowohl Kriege als auch Drohnenmorde koordiniert und durchgeführt.

Ziel der Friedenskampagne ist die Schließung dieser Militärbasis, die neben unsäglichem Leid auch eine extreme Umweltverschmutzung verursacht, aber auch der Abzug der Atomwaffen aus Deutschland.

Dada Madhuvidyananda, Dharmendra und weitere ständig aktive Vertreter von MENSCHLICHE WELT waren und sind so intensiv mit Vorbereitungen für die Bundestagswahl beschäftigt, dass ich mich spontan angeboten hatte, nicht nur privat, sondern auch als recht neues Mitglied von Menschliche Welt vor Ort zu sein, wenn auch nur für knapp zwei Tage.

Die Jahre zuvor hatte ich mit einem Bühnenprogramm mit überwiegend gesellschaftskritischen Liedern aus eigener Feder und mit Workshops zur Entstehung von (destruktiver) Gewalt und Gewaltbereitschaft bzw. -akzeptanz aktiv teilgenommen. Im Umkehrschluss habe ich auch die Entstehung von Frieden und Friedfertigkeit auf individueller, kollektiver und struktureller Ebene beleuchtet.

Für dieses Mal hatte ich das Thema „konstruktive Systemkritik mit Herz und Verstand“ gewählt, schlagartig inspiriert durch eine knappe und eindrucksvolle Definition aus Dr. Gerhard Köblers juristischem Wörterbuch: „System ist das planmäßige Gefüge einer Gedankenmehrheit.“

Viele Menschen in meinem Umfeld, die stark von Gelderwerb und einem systemorientierten Denken und Selbstverständnis geprägt sind, haben gemäß meiner Beobachtung wenig Möglichkeiten, inneren Abstand zu sehr schlimmen und grausamen Phänomenen wie Krieg und Drohnenmorden zu bekommen, ohne diese Vorgänge verleugnen oder ausblenden zu müssen.

Wie leicht kann man von solcher Brutalität heruntergezogen, in die Ohnmacht oder Aversion getrieben werden und ist letztlich überfordert, konstruktiv zu Lösungen beizutragen!

Viele suchen dann eher die Ablenkung und können ihre Freizeit kaum für die Schaffung von Gewaltfreiheit und Frieden nutzen. Und eben die Schaffung einer gesunden Distanz zu destruktiver und organisierter Gewalt – ohne eine Leugnung der Wirklichkeit – war ein Kernthema meines Workshops: vom inneren Frieden zum gesellschaftlichen und internationalen Frieden, so wie es die MENSCHLICHE WELT systematisch anstrebt.

Und ein ganzheitlicher Friedensansatz kann in der Meditations- oder auch Gebetserfahrung eine Basis finden, die den Entschluss nahelegt, möglichst konstant einen Dienst an der Welt, an unseren Mitwesen und somit auch an uns selbst leisten, Schaden zu vermeiden und Glück anzustreben.

Kollektiv mündet dieses Bestreben in bürgerrechtliche Initiativen und – wie im Fall von MENSCHLICHE WELT – in politisches Engagement und die Gründung einer Partei mit klaren ethischen Grundlagen.
„Sei nicht falsch […] Füge kein Leiden zu, um Glück zu erlangen.“ las ich kürzlich in Geshe Rabtens Erläuterungen zum „Mahamudra“.

Mein Workshop verlief mit einer schönen Leichtigkeit sehr positiv und hat allen Teilnehmern offenbar gut getan – auch mir selbst. Auch mein Bühnenprogramm – weniger Satire als bisher, dafür mehr menschliche Themen – fand Interesse, Verständnis und Freunde.

Meine Kinder und ich haben das Friedenscamp sehr genossen, die Herzlichkeit und den gesunden, unkomplizierten Umgang miteinander in einer Gemeinschaft, in der offenbar kaum jemand Angst vor Coronaviren hat. Es sind wohl auch überwiegend wenig ängstliche Menschen, die weiterhin in dieser Initiative aktiv sind, treue und thematisch fokussierte Aktivisten.

Ich möchte allen ausdrücklich und herzlich danken, die dieses Friedenscamp und die Aktionswoche ermöglicht und mit Leben gefüllt haben! Immerhin folgten trotz durchwachsenen Wetters und eventueller Einschränkungen durch die Coronathematik etwa 300 Menschen der Einladung dieser Friedensinitiative, die sehr viel mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung verdient hat.

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Achim Reschke ist Musiker, Komponist, Liedermacher und Lehrer für Gitarre und Improvisation.

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