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von Susan Bonath

Eine gefährliche Pandemie erkennt man an übermäßig vielen Kranken und Toten. Obwohl Leitmedien, Behörden und Politiker permanent Gegenteiliges suggerieren: In Deutschland gab es bisher nichts davon. Neuen Daten der Initiative Qualitätsmedizin (IQM) zufolge waren die Kliniken von März 2020 bis Juli 2021 so leer wie nie. Und der in Dauerschleife wiederholten Suggestion von einer Übersterblichkeit fehlt es massiv an Kontext. Am Unwissen der Statistiker dürfte das nicht liegen. Eine Analyse.

Blanke Zahlen ohne Kontext

Dass Deutschland von einer hohen Übersterblichkeit heimgesucht worden sei, suggerierte das Statistische Bundesamt in vielen Mitteilungen. Im vergangenen Dezember seien demnach 29 Prozent mehr Menschen gestorben als gewöhnlich, im Januar habe es 18 Prozent mehr Tote in der Bundesrepublik gegeben. Auch in einer zusammenfassenden Publikation für 2020 taucht immer wieder der Begriff „Übersterblichkeit“ auf.

Das Problem dabei: Die Statistiker operierten hier zumeist mit blanken Zahlen. Es fehlt die Analyse zur Entwicklung der Altersstruktur der Bevölkerung in Deutschland, also zur sogenannten demografischen Entwicklung. Wird die Bevölkerung immer älter, wächst also die Zahl der Hochbetagten in einem Land kontinuierlich an, sterben notwendigerweise auch mehr Menschen in dieser Gruppe. Dahinter steckt eine banale Realität: Menschen leben nicht endlos ― wir alle sterben spätestens irgendwann im hohen Alter.

Man müsste also zunächst die deutsche Bevölkerung in Altersgruppen aufteilen und die Größe dieser Teilpopulationen ermitteln. Dann teilt man die pro Jahr Verstorbenen ebenfalls in Altersgruppen auf und setzt sie zu den entsprechenden Teilpopulationen in den Bezug. Nur so kann man herausfinden, wie hoch die Sterberate in den Bevölkerungsteilen der Älteren und der Jüngeren in den zurückliegenden „gewöhnlichen“ Jahren und während der bisherigen Coronazeit war.

Einzig ein Vergleich der Sterberaten in den einzelnen Altersgruppen der vergangenen Jahre beziehungsweise Teiljahre liefert zuverlässige Informationen darüber, ob man von einer Übersterblichkeit sprechen kann oder nicht. Hätte eine Epidemie ungewöhnlich viele Opfer gefordert, müsste dieser ermittelte Anteil der Verstorbenen, gegebenenfalls unter Einbeziehung der zuletzt nur noch leicht gestiegenen Lebenserwartung, in mindestens einer Kohorte höher sein als in den Jahren davor. Warum die Statistiker Mitteilungen veröffentlicht haben, ohne dieses eigentliche Basiswissen einzubeziehen, bleibt ihr Geheimnis. Der Effekt dieses Vorgehens liegt auf der Hand: Es wird Angst geschürt.

Mehr Hochbetagte ― mehr Sterbefälle

Zunächst der unvermeidliche Blick auf die vom Robert Koch-Institut (RKI) seit März 2020 aufsummierten „Covid-19-Toten“: Die Hälfte dieser Verstorbenen war älter als 84 Jahre, und insgesamt 86 Prozent von ihnen hatten ihren 70. Geburtstag überschritten. Den genauen Altersdurchschnitt dieser „Coronatoten“ gibt das RKI nicht an. Er dürfte aber ungefähr im Bereich des normalen Sterbealters liegen. Laut Statistischem Bundesamt starben 2019 Männer durchschnittlich im Alter von 76 Jahren, Frauen mit knapp 82 Jahren. Für die weitere Einordnung spielt das eine große Rolle.

Denn die Daten der Statistikbehörde geben ausschließlich mehr Sterbefälle bei den über 80-Jährigen wieder, während sie bei den Null- bis 79-Jährigen keine Auffälligkeiten zeigen, vielmehr besonders niedrig waren. So wurden im ersten Coronajahr 578.500 Hochbetagte vom Zeitlichen gesegnet. Das waren rund 85.000 mehr als 2016 und rund 43.000 mehr als 2019.

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Das hört sich nach einem gewaltigen Anstieg an. Setzt man dies aber ins Verhältnis mit der Entwicklung der Population der über 80-Jährigen, wird schnell klar: Der prozentuale Anteil der Verstorbenen an der Bevölkerungsgruppe der Hochbetagten lag 2020 sogar in einem relativ niedrigen Bereich.

So lebten den Statistikern zufolge Ende 2015 etwa 4,73 Millionen Personen in Deutschland, die 80 Jahre und älter waren. Bis Ende 2019 stieg ihre Zahl demnach um 950.000 auf 5,68 Millionen Menschen an. In den Jahren 2016 bis 2019 lag die Sterberate in dieser Altersgruppe jeweils zwischen 9,94 und 10,48 Prozent. Am höchsten war sie in den Jahren 2016 bis 2018, am niedrigsten im Jahr 2019. Das Jahr 2020 weißt mit 10,18 Prozent die zweitniedrigste Sterberate an der Gruppe der über 80-Jährigen auf.

Wie aus den Daten hervorgeht, wird also etwa jeder Zehnte in der Gruppe der Hochbetagten binnen eines Jahres sterben. Das ist nicht schön, aber eine natürliche Erscheinung. Jeder Statistiker hätte das wissen und von vornherein damit rechnen müssen, dass im Jahr 2020 etwa 95.000 mehr Menschen sterben werden als 2016, weil es eben rund 950.000 mehr über 80-Jährige gab.

Da wir uns aber bereits im September des Jahres 2021 befinden, und das Statistische Bundesamt bereits die vorläufigen Sterbezahlen bis Ende Juli publiziert hat, schauen wir uns auch diese an. Vorneweg erst einmal der Blick auf die Bevölkerungsentwicklung. Trotz Pandemie kletterte die Zahl der hochbetagten Bewohner Deutschlands weiter in die Höhe, und zwar von 5,68 Millionen Ende 2019 auf rund 5,9 Millionen Ende 2020.

Das ist ein Plus von rund 220.000 Einwohner in dieser Alterskohorte. Wenn also im Schnitt etwa 10 Prozent derselben pro Jahr verstirbt, muss trotz eines angenommenen Mini-Effektes durch eine leicht steigende Lebenserwartung auch in diesem Jahr mit einem erneuten Anstieg der Todesfälle in dieser Altersgruppe um mindestens 20.000 gerechnet werden. Ihre Zahl müsste schon rein rechnerisch an der 600.000er-Marke kratzen, eben weil es bereits knapp sechs Millionen hochbetagte Menschen gibt.

Um herausfinden, wie das Jahr 2021 bisher in dieser Hinsicht verlaufen ist, kann man die ersten sieben Monate der Jahre 2017 bis 2021 hinsichtlich der Sterberate miteinander vergleichen. Laut den Daten des Statistischen Bundesamtes starben von Januar bis Juli 2017 insgesamt 312.493 über 80-Jährige. Das waren 6,33 Prozent der Ende 2016 vorhandenen Gesamtpopulation in diesem Alter. Seither ist die Sterberate kontinuierlich gesunken.

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So starben im Jahr 2019 nur noch 5,87 Prozent der Hochbetagten, 2020 waren es 5,69 Prozent. Im Jahr 2021 stieg ihr Anteil wieder leicht auf 5,79 Prozent und lag damit aber immer noch unter den Anteilen in den drei Jahren davor. Den blanken Zahlen nach gab es damit in den ersten sieben Monaten 2021 zwar fast 30.000 mehr Verstorbene im Alter von über 80 Jahren als von Januar bis Juli vier Jahre zuvor. In den notwendigen Bezug zur Bevölkerung gesetzt, lag die Sterblichkeit bei den Hochbetagten in diesem Jahr bis Ende Juli jedoch mehr als 8 Prozent unter der von 2017.

Todesursache Lockdown?

Gewiss, das „Argument“ der Verfechter der staatlichen Corona-Politik ist bekannt: Ohne Maßnahmen wären viel mehr Menschen gestorben. Dies ist allerdings eine bloße Behauptung, die kein bisschen seriös untermauert ist.

Erstens ist die Anzahl derer, die ohne Lockdown vermutlich noch leben würden, wahrscheinlich nicht gerade klein. So belegte etwa eine Analyse vom November 2020, dass im Landkreis Waldshut im April 2020 zwar 37 Prozent mehr Menschen starben als im gleichen Vorjahresmonat. Allerdings konnten die Forscher fast die Hälfte der über das Maß hinaus Gestorbenen nicht mit Corona in Verbindung bringen. Sie starben an anderen Ursachen, etwa, weil sie nicht rechtzeitig einen Arzt aufsuchten.

Erst kürzlich fand der an der Technischen Universität Berlin lehrende Medizin- und Soziologie-Professor Bertram Häussler heraus, dass zumindest im Juli 2021 bei über 80 Prozent der vom RKI gemeldeten „Covid-19-Toten“ der positive PCR-Test länger als fünf Wochen, teils sogar viele Monate, zurücklag. Die meisten gemeldeten „Corona-Toten“ starben also wahrscheinlich nicht am Coronavirus, sondern an anderen Ursachen. Das RKI räumt diese Tatsache sogar freimütig ein.

Auf Anfrage der Autorin vor einigen Monaten erklärte das RKI zur Erfassung der Toten sinngemäß per Mail, das einzige sichere Kriterium für die Zuordnung zur Gruppe der Covid-19-Toten sei ein positiver PCR-Test irgendwann vor dem Tod. Eine Zeitbegrenzung gebe es hier nicht. Todesfälle zu klassifizieren, sei Aufgabe der lokalen Gesundheitsämter. Mit anderen Worten: Theoretisch könnten diese Ämter jeden Verstorbenen, der irgendwann einmal positiv getestet wurde, zu einem Corona-Toten machen.

Auch ein Vergleich der beiden US-Bundesstaaten North und South Dakota zeigt: Die Sterberate ist dort seit März 2020 in etwa identisch, obgleich es in dem einen Staat einen harten, in dem anderen gar keinen Lockdown gab. In Schweden gab es nur etwa 5.500 Todesfälle mehr als etwa 2015 und 2017, obwohl das Land so gut wie gar keine Maßnahmen für die Gesamtbevölkerung verhängt hatte und zugleich die Bevölkerung und deren Altersdurchschnitt auch dort angestiegen ist. Die Einwohnerzahl des Landes wuchs von rund 9,8 Millionen in 2015 auf 10,4 Millionen in 2020, die Population der in Schweden lebenden über 65-Jährigen stieg laut Statistischem Bundesamt in Schweden von rund 1,9 auf 2,2 Millionen an.

Die sogenannte Übersterblichkeit fand auch in Schweden vor allem in den Pflegeheimen statt, obwohl ― oder weil? ― diese dort (als fast einzige Maßnahme) komplett von der Außenwelt abgeschottet wurden. Hier sei eine Frage erlaubt: Welcher alte Mensch, der weiß, dass ihm nicht mehr viel Lebenszeit bleibt, würde nicht depressiv werden und die Lust am Leben verlieren, wenn man ihn für ungewisse Zeit einsperrt?

Dummheit oder Absicht?

Wo sind eigentlich die Studienergebnisse dafür, dass die Sterbewellen in Ländern wie Brasilien, Großbritannien, Spanien oder den USA nicht zumindest zum Teil von der durch die Corona-Maßnahmen vorangetriebenen Massenverelendung bei gleichzeitig fehlender sozialer Absicherung verursacht wurden? Eine Kausalität kann hier zumindest schwer vermutet werden. Doch offenbar ist das Interesse bei den Verantwortlichen sehr gering, das näher zu untersuchen.

Unwahrscheinlich erscheint es dagegen, dass Statistik-Fachleute die hier aufgezeigten, nicht schwer nachzuweisenden Mängel in ihren Veröffentlichungen nicht kennen oder bemerken könnten. Aber wenn man ihnen nicht Dummheit unterstellt, bliebe nur ein Schluss übrig: Sie beteiligen sich aus purem Opportunismus und wider besseres Wissen an der global orchestrierten Angstkampagne. Mit bewusst fehlgedeuteten Zahlen ebnen sie der herrschenden Klasse bei ihrem offensichtlichen Aufbau autoritärer Diktaturen den Weg. Ein Schelm, wer ihnen das unterstellt?

Dieser Artikel wurde von Susan Bonath geschrieben und erschien zuerst im Rubikon-Magazin

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