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Eine langjährige Kita-Leiterin hängt ihren Beruf an den Nagel — in einem offenen Brief an die Kinder erläutert sie ihre Beweggründe.

 

Liebe Kinder,

ich werde euch also bald verlassen. Kapitulation. Es ist nicht einer Krankheit geschuldet oder der Angst davor, auch nicht der Hysterie und Gedankenlosigkeit, nicht der Verblendung vieler oder der Leichtgläubigkeit. Nein. Es geschieht wegen der menschlichen Niedertracht, der konsequenten Aufführung der Traumata auf einer fantastischen Bühne in diesen Zeiten großer Veränderung, Verunsicherung und Orientierungslosigkeit vieler Menschen.

Nach fast 30 Jahren Kitaleitung, selbst getäuscht von der Vorstellung, eine Vision zu haben, die alle teilen, werfe ich das Handtuch. Obwohl es oft schweißnass gewesen ist, habe ich es aber niemals in den Wind der gängigen Trends gehängt.

Auch das eine Illusion: dass es reicht, etwas abzulehnen und abzuwehren, das nicht für gut befunden wurde und dadurch euch Kinder zu schützen. Dass Kolleginnen immer nicken, heißt noch lange nicht, dass sie eine Haltung entwickelt haben.

Da war ich dumm. Entschuldigt bitte. Es ist so leicht zu glauben, was man möchte. Es ist so mühsam und zäh, sich ständig seiner Illusionen bewusst zu werden — immer auf‘s Neue.

Ich wollte verhindern, dass ihr euren eigenen Ängsten auf den Leim geht. Ich wollte euch alles geben, damit ihr stärker und mutiger werdet, als ich es je sein konnte. Meine Kindheit war anstrengend, manchmal traumatisch und sehr eng. Auf meinem langen Weg zu mir habe ich viel von euch gelernt, weil ihr Kinder immer den Fingerzeig gebt, die Finger auch in Wunden legt und so lange nervt, bis man es endlich kapiert.

Wer ehrlich mit Kindern arbeitet, muss erwachsen werden. Sonst wird man hart, ausgezehrt oder kindisch.

 

Diese Zeiten bringen das Schlechteste und das Beste in den Menschen zum Vorschein. Schaut gut hin Kinder. Ich verstehe zu gut, warum einige von euch nach jedem Lockdown, nach jeder langen erzwungenen Abwesenheit sehr langsam und skeptisch die Nähe zu Erwachsenen zugelassen haben. Lieber ganz hinten im Garten spielen, lieber in die Ecken zurückziehen.

Ein Zweiklässler schenkt mir ein Bild mit einem zerbrochenen Herzen in einem grünen krackeligen Kreis. An der Seite oben eine Sonne. Dein Herz ist gebrochen, sagt er, weil die Sonne nicht draufscheinen kann wegen der grünen Mauer.

Kleiner Mann, du hast recht. Es wird Zeit für mich, die Sonne wieder reinzulassen.

Denn es ist kaum zu ertragen, dass es Kitas gibt, in denen das Personal die Masken seit letztem Jahr nicht mehr abgesetzt hat und dass die sehr kleinen Kinder, die im Sommer aufgenommen wurden, noch nie das Gesicht ihrer Betreuerinnen gesehen haben. Noch weniger ist zu ertragen, dass sich niemand darüber beschwert. Ein Physiotherapeut kommentiert: „… das Wichtigste erkennt man sowieso an den Augen…“

Nein, das stimmt überhaupt nicht. Kinder lesen die Gesichter, um sich ständig zu vergewissern, dass sie nicht von Feinden umgeben sind. Warum verfügen wir Menschen denn über eine wunderbar fein gesteuerte Mimik?

 

Institutionen spielen eine wichtige Rolle bei der Ausweitung und Etablierung totalitärer Systeme. Dann kann sich jeder daran beteiligen und hinterher sagen, er hätte nur funktioniert, aber sich nie dafür entschieden.

Letztendlich hat er sich aufgeopfert bei harter Arbeit, um seine Existenz und die seiner Familie zu sichern. Das macht doch jeder gute, verantwortungsvolle Mensch. Das ist der springende Punkt. Als Opfer kann man sich absolute Gewissenlosigkeit erlauben. Und Kinder wie Sachen behandeln.

Totalitäre Systeme stürzen über Zufälle, spontane Erscheinungen, Kapriolen der Natur, und alles, was niemals berechenbar sein wird. Bei genauem Hinsehen besteht das Leben nur aus solchen Elementen. Wenn alte Menschen von ihrem Leben erzählen, kann man immer nur staunen über die vielen Kehrwendungen, Ereignisse, glückliche und unglückliche Fügungen und ganz selten nur reden sie von Entscheidungen. Am Ende des Lebens ahnen fast alle, dass es nur Fügung gibt. Fügung ist nicht logisch. Alle Menschen, die mit Kindern arbeiten, sollten einmal in der Woche mit alten Menschen spazieren gehen und zuhören.

Vielleicht spielen deshalb in totalitären Planspielen immer die Kinder eine zentrale Rolle. Vielleicht geht es nur um euch Kinder? Eine böse Vorahnung hatten wir, als im ersten Lockdown die Spielplätze in der Stadt mitten zwischen den engen Wohnblocks gesperrt waren. Die Impfbusse vor den Schulen sind heute die konsequente Weiterentwicklung dieses Zielens auf das neue Leben, deren Optionen so früh wie möglich begrenzt werden müssen.

Denn ihr habt etwas, wonach sich alle Erwachsenen sehnen. Die Spontaneität, die Unmittelbarkeit eures Erlebens, die blanke Lust, alles auszuleben, alles auszudrücken, was raus will, flexible, geschmeidige Körper und einen offenen Geist — da ist die Kraft etwas Neues hervorzubringen.

 

Das Ende ist offen und das ist riskant und kann kein totalitärer Planer wollen. Der Zugriff auf die neue Generation ist das Eigentliche.

Sie betrachten mittlerweile die Kinder als ihr Eigentum und darüber können sie frei verfügen. Sie weltweit verhungern lassen, für Impfexperimente aller Art missbrauchen, ihre Gesundheit zerstören, sie manipulieren, entmutigen, quälen, demütigen, nötigen….

Kindern zu erzählen, sie brächten ihre Oma um, wenn sie keine Maske tragen oder Oma umarmen wollen — und neuerdings: wenn sie sich nicht gerne impfen lassen —, sind einer Nötigung, einer Erpressung ausgesetzt, die alles übersteigt, was im Rahmen einer schwarzen Pädagogik schon einmal en vogue war. Früher hieß es, dass Mutti traurig ist oder Migräne kriegt , wenn du frech bist. Heute bringst du eben alle um, wenn du nicht brav bist, nicht wahr?

Nach dem Schulwechsel auf eine Ganztagsgesamtschule verlängert sich für ein Kind auch die Tragezeit einer Maske.

Bei einem zehnjährigen Mädchen haben sich nach zwei langen Schultagen und anschließender Busfahrt mit Maske die Mundschleimhäute heftig entzündet.

 

Blau violett verfärbtes Zahnfleisch, schmerzhafte Bläschen im ganzen Mundraum, entsetzlicher Geruch aus dem Mund und sie kann fast zehn Tage nur flüssige Nahrung zu sich nehmen. Die Eltern versuchen vergeblich, von einem Arzt ein Maskenattest für sie zu bekommen. Alle Ärzte ducken sich weg. Immerhin erlaubt die Schule eine Stoffmaske. Aber immer wieder flackert die Krankheit auf.

Eltern, die ihre Kinder schützen wollen, werden denunziert, gemieden, ausgeschlossen und mit ihnen wieder die Kinder. Nur ein Nachbarskind darf neuerdings nicht in die Wohnung ihrer Freundin zum Spielen, sondern muss im Garten bleiben: das Kind von der Waldorfschule! So sickert das Gift der üblen Nachrede, offenen Diskriminierung und Verleumdung in alle Bereiche des Alltags.

2G-Regeln treffen die ganze Familie. Selbst wenn es vielen Eltern mittlerweile egal ist, ob sie in der Stadt einkaufen oder Schuhe online bestellen, schmerzt es sie trotzdem sehr, dass ihre Kinder an vielen Angeboten für Spiel und Sport nicht mehr teilnehmen können.

Auf dem Weihnachtsmarkt in der Stadt dürfen impffreie Erwachsene Kindern kein Ticket kaufen für ein Karussell. Das müssen die Kinder allein machen. Ich werde es meiner dreijährigen Enkelin ausrichten.

Die Sache ist: Sie wäre mutig genug, das zu tun.

Ich weiß, dass es noch viel mehr solcher Kinder gibt, von denen viele einen starken neuen Anfang in sich tragen. Dafür bin ich sehr dankbar. Und deshalb werden wir als Eltern, Großeltern, Geschwister, Onkel und Tanten, vielleicht mit vielen Lehrern und Erzieherinnen ebenfalls mutig sein, Haltung zeigen und losgehen. Wir müssen uns nur davor hüten, zu verzweifeln oder zu hassen, dann machen wir alles richtig.

Hannah Arendt zitiert Karl Jaspers in ihrem Buch „Die verborgene Tradition“

„Wir leben“, wie sie in Genf sagten, „als ob wir pochend vor den Toren ständen, die noch geschlossen sind. Bis heute geschieht vielleicht im ganz Intimen, was so noch keine Welt begründet, sondern nur dem einzelnen sich schenkt, was aber vielleicht eine Welt begründen wird, wenn es aus der Zerstreuung sich begegnet.“

Hätte Karl Jaspers die Kinder gekannt, die ich kennenlernen durfte, dann wäre er noch optimistischer gewesen.

Kinder sind nicht unsere Zukunft — wir sind die Zukunft unserer Kinder.

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Dieser Artikel erschien zuerst im Rubikon-Magazin

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