Was ist es das unsere Welt im Innersten zusammen hält_

Eine Frage ohne Antwort?

Es ist ein inneres Bedürfnis von uns Menschen, unsere Welt zu verstehen. Wir wollen, ja wir müssen, zumindest Teile unserer Welt verstehen, um uns darin zurechtzufinden. Mehr noch: Wissen und Erkenntnis sind, was uns wirklich vom Tierreich unterscheidet.

Zwar verfügen entwickelte Tiere auch über Wissen, doch der innere Drang, die Welt immer und immer besser zu verstehen, ist ihnen fremd. Wir Menschen hingegen sind anders. Egal wie viel wir zu wissen glauben, unser Geist bleibt gefüllt mit zahllosen Fragen.

Irrwitzigerweise steigt die Anzahl der offenen Fragen mit der Masse unseres angehäuften Wissens. Indem wir Wissen anhäufen, dehnen wir uns geistig aus. Ganz ähnlich wie beim Aufblasen eines Luftballons gewinnt unsere innere, psychische Welt an Umfang – sie wird größer.

Und während sie wächst, wächst auch ihre Oberfläche. Die Oberfläche unserer geistigen Sphäre ist der Grenzbereich zwischen dem, was Teil unserer geistigen Welt ist und dem, was nicht – oder nicht vollständig – darin enthalten ist.

Wächst nun unsere geistige Sphäre durch die Anhäufung von mehr und mehr Wissen, so wächst auch ihre Oberfläche und damit der Grenzbereich zwischen Wissen und Unwissen. Innerhalb der Sphäre unseres Wissens können wir uns bis hin zu den Grenzbereichen mehr oder weniger frei bewegen. Von den Grenzbereichen aus können wir auf das Meer der offenen Fragen blicken, ähnlich wie wir von der Küste einer Insel das Meer sehen können. Wächst die Insel und mit ihr, ihre Küstenlinie, so wird auch der Teil des Ozeans, den wir überblicken, größer.

Wenn immer mehr Wissen nur zu immer mehr Fragen führt, hat Wissen dann überhaupt einen Wert? Wissen ist letztendlich die Internalisierung der objektiven Welt. Wir erschaffen ein geistiges, ein mentales Abbild unserer Umwelt und simulieren oder planen unsere nächsten Handlungen innerhalb dieses Abbildes.

Es ist unser Intellekt, unser Verstand, der unsere Handlungen vorgibt. Tiere verfügen zwar auch über einen Verstand, doch ihr Verstand ist stets gebunden an das, was gerade um sie herum geschieht. Konzeptionelles Denken, die Ideen von Objekten mit ihren speziellen Eigenschaften losgelöst von dem Vorhandensein der entsprechenden Objekte zu denken und durch Gedankenexperimente intern neu zu kombinieren ist eine rein menschliche Eigenschaft.

Diese Eigenschaft ist der Grund, weshalb Menschen und nicht Schimpansen oder Elefanten Handys und Hochhäuser bauen. Wissen ist für uns überlebenswichtig. Ohne Wissen könnten wir nicht überleben und daher hat uns die Natur mit einem inneren Drang versehen, möglichst alles und so viel wie möglich verstehen zu wollen.

So finden wir uns in einem Dilemma wieder: Während wir trinken, um unseren Durst zu stillen, werden wir nur noch durstiger. Die Menschen der Vergangenheit haben dieses Problem bereits erkannt und sind so bei den fundamentalen Fragen angelangt: Wo kommt das Universum her? Wer oder was bin ich? Und was ist es, dass die Welt im innersten zusammenhält?

Diese Fragen zu stellen und nach Antworten zu suchen ist ein wesentlicher Treiber des intellektuellen Fortschritts der Menschheit. Doch es ist auch Vorsicht geboten, denn beachten die Suchenden auf ihrer Suche nach Erkenntnis nur Teile der Realität, so werden die gefundenen Antworten bestenfalls unbefriedigend und – weitaus wahrscheinlicher – schädlich sein.

So ist der Urknall das Ergebnis einer Suche, die sich ausschließlich auf die äußeren Phänomene unseres Universums beschränkt. Die Atome und Moleküle sowie bestimmte Gesetzmäßigkeiten, wie diese miteinander interagieren, bilden das ausschließliche Fundament einer Theorie, die erklären möchte, wie das Universum entstanden ist – und damit auch, woher wir stammen.

Das Ergebnis ist eine Theorie, die behauptet, dass alles aus nichts entstanden sei, obwohl so etwas niemals von irgendwem beobachtet wurde. Etwas kann nicht aus nichts entstehen. Und obwohl solch ein Vorgang niemals beobachtet wurde, behaupten die Vertreter des Urknalls, dass ihre Ansichten alle – empirisch einwandfrei und wissenschaftlich korrekt – auf Beobachtungen beruhen. Was für ein geistiger Spagat!

Das an sich ist schlicht irrational, doch noch nicht schädlich. Doch Schaden entsteht dort, wo Menschen auf der Suche nach Sinn eine Antwort erhalten, die ihnen nahe legt, dass sie nichts weiter sind als ein Zufall, ein kosmischer Witz, der auf einen Knall zurückgeht. Diese Antwort füllt unzählige Herzen mit tiefer Leere. Sie führt leicht zu Zynismus, Depression und Abgewandtheit von der Welt.

Die Ursache für all dieses Unglück liegt am Ursprung. Indem sich die Intellektuellen, die Sinnsuchenden bei der Beantwortung ihrer Fragen nur auf die Phänomene ihrer Umwelt konzentrieren, vernachlässigen sie einen mindestens ebenso wichtigen Aspekt: die innere Welt.

Wir Menschen können unsere äußere Welt nicht losgelöst von unserer inneren Welt erfahren. Unsere Sinnesorgane geben uns stets nur ein unvollständiges Bild unserer Realität. Es gleicht unserem einem Blick durch das Schlüsselloch. Eleganter hat es schon Platon in seinem Höhlengleichnis formuliert. Wir kommen immer nur in indirekten Kontakt mit unserer Umwelt und erhalten dabei nur Abbilder, bloße Schatten der Dinge an sich. Die Dinge an sich bleiben für uns unzugänglich.

Antworten auf die großen Fragen können sich niemals ausschließlich auf Beobachtungen der Natur, auf die äußeren Gesetzmäßigkeiten stützen. Sie müssen die inneren, geistigen Mechaniken ebenso sehr berücksichtigen. Da die beiden Welten, die Innere und die Äußere, nicht unabhängig voneinander existieren, müssen beide berücksichtigt werden. Es geht nicht anders.

Die innere Welt, unsere geistige Sphäre, können wir durch Meditation erforschen und verstehen. Dabei erfahren wir nach und nach, dass es etwas gibt, dass alle internen Vorgänge – alle Gedanken und Gefühle – registriert und alle äußeren Vorgänge – unsere Umwelt – wahrnimmt.

Durch den Blick nach innen verstehen wir, dass hinter allen Erscheinungen letztlich das gleiche Phänomen, die gleiche Fähigkeit, das gleiche Wesen steht: reines, unveränderliches Bewusstsein.

Bewusstsein ist, was die inneren und äußeren Welten wahrnimmt und zusammenführt. Es verbindet das Innere mit dem Äußeren, es ist die Quelle unserer Existenz, der Ursprung unseres Universums. Mehr können wir nicht sagen, denn uns zu fragen, wo Bewusstsein herkommt, führt zu einem endlosen Zirkelschluss.

In all unseren Gedanken steckt Bewusstsein. Wir können keine Gedankenexperimente vollführen, in denen wir uns vorstellen, es gäbe kein Bewusstsein, denn alle Gedanken sind zwangsläufig von Bewusstsein erfüllt. Die Abwesenheit von Bewusstsein ist jedoch die Grundvoraussetzung, um uns dem Ursprung von Bewusstsein gedanklich nähern zu können. Das jedoch, ist nicht möglich.

Die Antwort darauf, was die Welt im Innersten zusammenhält, lautet also schlicht: Bewusstsein.

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