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Von Aniruddha Achim Reschke.

Am 18.September 2021 hat Tageslicht bereits einige meiner Gedanken zum Thema Freiheit geteilt. [Link]

Waren das sicher “meine” Gedanken? Nicht wirklich und nur vorübergehend, denn es handelt sich eigentlich um eine Reflexion und Zusammenstellung bereits vorhandener Erfahrungen und Gedanken. Ich hatte zuvor natürlich zum Begriff und zum Thema „Freiheit“ gelesen, Vorträge gehört. Dann habe ich die gesammelten Gedanken mit meiner persönlichen Lebenswirklichkeit abgeglichen und gemäß dem aktuellen Stand meines Verständnisses zusammengefasst und interpretiert.

Es handelt sich also um alte, millionen- oder gar milliardenfach gemachte und geteilte Erfahrungen und Gedanken. Nichts davon musste ich erst erfinden – eher erinnern und vergegenwärtigen. Natürlich versuche ich mit meiner Variation dieses bereits vorhandenen Ideenguts einen Beitrag zum Freiheitsstreben interessierter Leser zu leisten. Ob jemand davon tatsächlich profitiert, liegt aber nicht in meiner Macht. Das regelt sich sozusagen „von selbst“.

Daher erscheint es mir folgerichtig, frei von Erwartungen zu sein, die ich an die Veröffentlichung eines Artikels knüpfen könnte. Wir können also unsere Absichten, Motivationen und Hoffnungen, die sich in uns selbst bilden, von Erwartungen an Resultate unseres Tuns, die von einer Vielzahl externer Faktoren abhängen, unterscheiden und abkoppeln.

 

Vom Sachtext zur Musik

Ich bin schon lange als Musiker und Musikschaffender tätig. Wie verhält es sich mit dem Komponieren? Das lateinische Substantiv compositio bedeutet Zusammenstellung. Unser Tonsystem ist eine Ableitung aus der physikalisch gegebenen, mathematisch geordneten Naturtonreihe – auch Obertonreihe genannt – [Link], also keine menschliche Erfindung, sondern tatsächlich eine Findung und praxisgerechte Auswahl, teilweise mit leichten Abänderungen von Tonhöhen und Tonabständen.

Ähnlich verhält es sich mit Rhythmen, die in vielen Naturvorgängen bereits für uns erfahrbar vorliegen. Mit etwas “Glück”, Erfahrung und Geschick kann ein Musikschaffender dieses Material und seine Gesetzmäßigkeiten auf eine Weise nutzen und zusammenfügen, die in ihm selbst und auch in anderen eine bestimmte Erfahrung, einen körperlichen, geistigen, energetischen, emotionalen, seelischen Zustand, hervorbringt. Auch diese Zustände dürften alt und lange in uns angelegt sein; sie werden uns dann “nur” bewusst.

 

Goethe und Keith Richards

Harmonie, melodischer Fluss und Rhythmus sind Teil unseres Wesens. Sie werden durch kosmische Vorgänge angeregt, aber auch durch unser Tun und in besonderer Weise durch Musik. Die Wesensart der Musik bestimmt dabei die Art unserer Musikerfahrung mit. Goethe dichtete:

„Wär nicht das Auge sonnenhaft,

Die Sonne könnt es nie erblicken;

Läg nicht in uns des Gottes eigne Kraft,

Wie könnt uns Göttliches entzücken?“

 

Unsere Wahrnehmung tritt gemäß dem Wesen unseres Geistes und unserer Sinne in Resonanz mit ausgesendeten Signalen und vorhandener Information. Daher ist so wichtig, seinen Geist und die Sinne möglichst rein und auch ab und zu frei zu halten. Und es ist wichtig, achtsam mit der Auswahl, dem Empfang und der Aussendung von Information umzugehen.

Selbst in der Sphäre sehr erfolgreicher Divas der Rock- und Popmusik und des “wilden” Rock’n’Roll sind mitunter spirituelle Einsichten ausgedrückt worden, die geeignet sind, Handelnde und Schaffende von einschränkenden, fesselnden Kräften zu befreien: von Erwartungen, Stolz oder auch Ängsten, wie z.B. vor Scheitern oder ausbleibender Anerkennung.

Ein entsprechender Ausspruch des Stones-Gitarristen und Songwriters Keith Richards ziert seit mindestens 15 Jahren das Deckblatt meines Notenpapierblocks. Ich habe das Zitat seinerzeit aus einer Film-Doku über eine der prägendsten Bands der Rockgeschichte, die Rolling Stones, abgeschrieben:

„Mit der Musik ist es wir mit der Adam-und-Eva-Theorie: Mit ihnen hat alles angefangen, es liegt alles an ihnen, und die beiden sangen nur ein einziges Lied, auf dem unsere heutige Musik basiert. Jedes Stück, jeder Song ist nur eine Variation dieses reinen, ursprünglichen Liedes. Wenn du Glück hast, findest du eine neue Variation. Du kannst ihr zwar deinen individuellen Stempel aufdrücken; letztendlich ist es aber immer noch das selbe Lied.“

 

Wir können also nicht nur frei sein vom Anhaften an Erwartungen, die wir möglicherweise an unser Tun knüpfen. Wir können auch frei sein von der Idee, dass etwas, das wir erschaffen, ausschließlich unsere Leistung ist, die gebührend anzuerkennen sei. Beide Freiheiten stärken unsere Frustrationstoleranz und fördern ausdauerndes, unbeschwertes, freies Schaffen. Und wir können dankbar sein, dass wir Zugang zur Quelle schöpferischen Tuns und wirksamen Handelns haben und dieses Handeln dem Schöpfer und seinen Geschöpfen widmen.

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